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Matzka-Nitro Dialog

KenoNitro
778 days ago

Hierbei handelt es sich um einen Briefwechsel zwischen Rudolph Matzka und KenoNitro. Am Ende des Dialogs haben wir uns entschieden die Gruppe "Exploring Kenogrammatics" im GG zu eröffnen um ein wenig mit der Kenogrammatik zu experimentieren.

der Dialog wurde im Zeitraum Juni/Juli 2012 gehalten. Weiterhin wurde der Dialog um die persönlichen Inhalte bereinigt und auf KenoNitro pseudonymisiert.

 

Sehr geehrter Herr Matzka,

vielleicht interessieren Sie sich für das Spiel der Generationen. 

http://generationsgame.com das Spiel 

http://generationsgame.com/pg/blog/read/294/die-wiederfindung-der-natur Basisphilosophie 

http://generationsgame.com/pg/blog/read/516/eine-informationsphysikalische-interpretation-der-ladungen-und-farbladungen-von-quarks-und-des-austauschs-von-gluonen Konkretisierung 

http://generationsgame.com/pg/blog/read/6727/informationphysics-ai-and-nanotechnology Potenzial  

Hallo Keno,   ich schlage das Du vor, schließlich bin ich der Ältere von uns beiden) 

habe soeben in die angegebenen Links hineingeschaut und finde das Projekt spannend. Bedingt durch meinen wissenschaftlichen Werdegang bin ich diese Themen bisher eher von der wissenschaftkritischen, wissenschaftsphilosophischen Seite her angegangen. Mir scheint, wenn man auf intelligente Weise in mikrophysikalische Bereiche vordringen will, muss man sich der prinzipiellen Limitationen der wissenschaftlichen Methode bewusst sein, sonst kann man nicht über sie hinaus gehen. Ich denke hier vor allem an das Identitätsprinzip, das die Mathematik dominiert, und damit auch alle empirischen Wissenschaften, die Mathematik zur Kernsprache machen, und Physik ist eine solche. Genauer habe ich das in einem kurzen Referatsskript ausgeführt: www.rudolf-matzka.de/dharma/presentation.pdf 

In der Identitätskritik begenen sich Gotthard Günther und buddhistische Philosophie (wobei ich weniger an die späte japanische Variante ZEN denke, als an das ursprünglichere Madhyamika aus Indien). Das Problem für die Wissenschaft ist nur: wie können wir das Identitätsprinzip unterlaufen? Wenn wir das nicht schaffen, werden wir nie über die prinzipiellen Begrenzungen der zeitgenössischen Physik hinauskommen, die sich in dem Schisma zwischen Relativitätsphysik und Quantenphysik zeigen. Das ist sauschwer, weil unsere Sprache (nicht nur die mathematische Sprache, sondern auch die Umgangssprache) - qua Inhaltlichkeit - einen Sog in das Identitätsprinzip ausübt, dem wir kaum widerstehen können. Die Suggestivkraft der Sprache ist noch weitaus irreführender als diejenige des Lichts. Das habe ich in meinem jüngsten Text zum Ausdruck gebracht: www.rudolf-matzka.de/dharma/inhaltlichkeit.htm

Gotthard Günther hat immerhin die Kenogrammatik entdeckt, eine Art von Schrift, die nicht im Identitätsprinzip gegründet ist. So zumindest glaubte Günther; ich habe jedoch 1993 herausgefunden, dass die Kenogrammatik sehr wohl im Identitätsprinzip gegründet ist, aber anders als die normale Schrift, nämlich nicht atomistisch sondern holistisch: www.rudolf-matzka.de/dharma/semabs.pdf. Die Kenogrammatik mündet bei Günther in der Vision einer "Negativsprache", einer nicht-inhaltlichen und holistischen Komplementärsprache zu Mathematik bzw. Umgangssprache. Das weckt jetzt bei mir die Assoziation zu Deiner Vision von einer "Sprache der Natur". Das könnte ein Berührungspunkt (oder, wie Günther es nennen würde, eine Vermittlungsstelle) unser beider Forschungen sein. Eine unter mehreren. 

Hallo Rudi, 

danke für das Angebot zum dudsen, macht es einfacher. Ja genau da sehe ich auch die entscheidende Bindestelle - in der nichtinhaltlichen Sprache/Negativsprache nach Gotthard. Was die Sprache der Natur angeht, bin ich der Meinung, dass diese uns bereits vor Augen liegt. Auf der Homepage des Generationsgame ist unterhalb des Einleitungsartikels ein Bild mit Qarks zu sehen, diese Quarks verfügen über bereits entdeckte Ladungen. Leider wird in der heutigen Physik die Quarks nur unter materiellen und energetischen Aspekten erforscht. Doch diese LAdungen haben aus meiner Sicht auf einen informativen, geistigen Aspekt. Soll heißen anhand der Ladungen und der INteraktion im Quark-Gluonen-Austausch müssten sich Rückschlüsse auf den natürlichen Informationscodec/Algorithmus schliessen lassen. Dies wäre dann quasi gleichzusetzen mit dem Erschließen einer neuen Informationsebene unterhalb der Zellebene. Eben der atomaren Informationsebene. Dies ist noch nicht die Sprache der Natur selbst - sondern nur die Informationsebene einer Materieform (Atom) - der Quellcode wie ich die Sprache der Natur gerne nenne - arbeitet in meiner Hypothese vertikal - also ebenenübergreifend- siehe hierzu auch Informationsarchitektur der Natur - 
http://www.zazzle.de/emc8_poster-228644504754104003 
Um eine solche Hypothese wissenschaftlich zu verifizieren bedürfte es eines Instituts, dass sich dem annimmt. Wichtig für mich ist, dass im Gegensatz zu Gotthard, glaube ich zumindest, es nicht ein rein geistiger Prozess ist - sondern der Träger des Geistes, der Sprache der Natur, die Energie und Materie selbst sind (EMC8) - und, dass die Erforschung der Materie und Energie unter informationsphysikalischen Bedingungen diese eine identitätzslose Sprache hervorbringen wird (so zumindest der Gedankengang). Ich glaube ein Institut für nukleare Informationsphysik (INI) würde unter Zusammenführung von Forschungsfeldern mit interdisziplinärem Charakter schnell zu Ergebnissen führen. Der richtige Standort für ein solches Institut wäre Berlin-Adlershof Doch dazu müsste die Wissenschaft sich dieser Herausforderung annehmen, was in der heutigen Zeit nicht gerade in ihrer Absichtt liegt - oder wie Sie sagen "sauschwer" ist.  

Hallo Keno,   Die Frage, wie Mathematik und Wirklichkeit zusammen hängen, wie sie überhaupt prinzipiell zusammenhängen können, brachte mich zu einer radikalen Kritik der mathematischen Ökonomik (das wurde meine zweite Doktorarbeit), zum Nachdenken über das Identitätsprinzip, und dann traf ich per Zufall Rudolf Kaehr und Joseph Ditterich, die zwei wichtigsten Günther-Schüler, die mich in Günthers Polykontexturalitätstheorie einführten. Allerdings verstand ich, von der Identitätskritik abgesehen, nur sehr wenig. Trotz allem hatten wir (Kaehr, Ditterich, ich und noch ein Freund der bei Siemens arbeitete) die Chuzpe, der Firma Siemens ein einjähriges Forschungsprojekt über die Anwendung der polykontexturalen Logik in der Produktions- und Fertigunsplanung für Computer anzudienen, und bekamen es auch bewilligt und bezahlt. Von unseren Ergebnissen war Siemens wenig beeindruckt, aber immerhin ist dabei eine Studie entstanden, die in Günther-Kreisen noch heute einen gewissen Kult-Status hat (http://edok01.tib.uni-hannover.de/edoks/e01fn07/54986802X.pdf). Damit hatte ich mich aber aus der Uni-Karriere herauskatapultiert, und der Traum von der Selbständigkeit zerstob sehr schnell. So habe ich mich 16 Jahre lang bei Siemens verdingt, habe Software entwickelt, und bin intellektuell auf Tauchstation gegangen. Dann warf Siemens mich raus (ich war 55 geworden), ich wurde zum Freelancer, war aber als solcher nicht sehr fleißig und hatte nebenbei zunehmend Zeit, meine wissenschaftlichen Interessen wieder aufleben zu lassen. Inzwischen bin ich Rentner.

Parallel zu alledem habe ich eine Psychoanalyse gemacht (um meine massiven Kontaktängste zu bearbeiten), habe angefangen zu meditieren, habe einen tibetischen Lehrer gefunden (Sogyal Rinpoche) und mich in seiner Gemeinde angeschlossen und dort stark engagiert. Das alles hat mich sehr verändert. Sehr spät entdeckte ich, dass es im Buddhismus auch eine Philosophie gibt, und erst dadurch sind meine wissenschaftlichen und meine buddhistischen Interessen zusammengewachsen. Ich litt unter einer kognitiven Dissonanz: das naturwissenschaftliche Weltbild, in dem ich aufgewachsen war, und das buddhistische Weltbild, in das ich spät hineingewachsen war, passten nicht zusammen, und diese kognitive Dissonanz wollte ich kognitiv bearbeiten. Für mich selbst habe ich das inzwischen einigermaßen klargekriegt, aber ich wollte (und will) mehr. Ich will die buddhistische Philosophie auf den Stand der aktuellen westlichen Philosophie "anheben", und will eine buddhistisch informierte radikale Kritik der Physik leisten. Aber das lässt sich nicht ohne hochkarätige Kooperationspartner aus Philosophie und Physik leisten, und ich fand bisher keine, die zu solcher Kooperation bereit gewesen wären. Auch ich träume also von einem Forschungsinstitut.

Deine Gedanken zu den Quark-Ladungen und zum Verhältnis von Information und Geist sollten wir bei Gelegenheit genauer diskutieren, vielleicht ergeben sich da ja tatsächlich Bezüge zu Günthers Kenogrammatik. Mir ist nicht so recht klar, warum diese Quark-Ladungen für Dich so einen hohen, geradezu metaphysischen Stellenwert haben?

Hast Du denn schon mal versucht zu verstehen, worum es bei der Kenogrammatik geht?

Hallo Rudi,

der QuarkGluonenaustausch [QGA] ist für mich aus folgenden Gründen so wichtig:

1. zur Verifizierung der Verbindung von Geist und Materie muss in dem Bauteil Atom eine Informations- bzw Geistesebene angenommen und entdeckt werden.
2. zum Verbinden von Relativitätstheorie und Quantentheorie sehe ich das Atom als Schlüsselelement, da die Relativitätstheorie ab der Ebene Atom ihre Gültigkeit erlangt und die Quantentheorie ab der Ebene darunter - das Atom besteht aber selbst aus Quanten und der QGA ist für mich der Schlüssel um diese beiden Theorien zu vereinen - letzendlich das Schisma der Physik aufzuheben.
3. der QGA dient als Köder für die Wissenschaft, da er ein klares Ziel vorgibt und gewisse neue Anwendungen wie fortschrittliche Nanotechnologien und KI erlaubt.
4. ein schrittweises vorgehen ist in der Wissenschaft notwendig, ansonsten droht Überforderung. Eine Entschlüsselung des Codes der Atome und die Klassifizierung der atomaren Ebene als nicht-tote-Materie  wäre der Anfang für ein Paradigmenwechsel. Darauf aufbauend könnte dann das Entschlüsseln des natürlichen Quellcodes erfolgen und dessen ebeneübergreifende Mechanismen untersucht werden. Dies ist aber nur möglich wenn eben die atomare Ebene als Teil einer gesamten Organismus-Theorie integriert ist und nicht entkoppelt wird.

zur Frage nach dem Verständnis der Kenogrammatik:

Ich denke ich habe das Grundprinzip verstanden. Im Prinzip ist der einzige unterschied zwischen einem natürlichen Quellcode und der Kenogrammatik, so meine ich, dass der natürliche Quellcode in der Natur bereits vorliegt  und nur "erschlossen" werden muss. Die Kenogrammatik, so wie ich es verstehe soll nach Gotthard zunächst entwickelt werden, also von Menschen erdacht werden. Hier sehe ich eine Nähe zur Universlasprache nach Leipniz und durch Pauli und Jung in ihrem Briefwechsel diskutierte Einheitssprache. Allerdings und da gebe ich Ihnen recht handelt es sich hierbei ja wieder um eine weitere Sprache durch Menschen entwickelt, so habe ich Sie verstanden mit der Aussage, dass die Kenogrammtik im Identitätsprinzip verhaftet bleibt zwar nicht atomistisch aber holistisch. Ähnlich wäre es mit einer Einheitssprache nach Pauli und Jung oder auch einer Universalsprache nach Leipniz. Nur eine in der Natur bereits vorhandene eigene Sprache (Quellcode) und deren Nutzung im natürlichen Spektrum kann das Identitätsprinzip wahrhaftig auflösen und damit auch einen direkten Bezug zu fernöstlichen Philosophien herstellen. Ein natürlicher Quellcode ist vergleichbar mit dem binären System in der Informatik - die Nullen und Einsen - sind für sich erstmal nicht inhaltlich - werden dies erst in der Transformation innerhalb der Dateisysteme - so wird aus Nullen und Einsen Musik, Bilder usw. Im geistigen Prozess leistet beim Mensch diese Transformationsleistung des natürlichen Quellcodes in ein bestimmtes Dateisystem unser Bewusstsein. Hier ensteht dann z.B. Kunst, Wissenschaft, usw. Wichtig aber denke ich ist zu Wissen, dass bei allen Dateiformaten eben immer auf diesen einen nichtinhaltlichen natürlichen Quellcode zurückgegriffen wird. Eine Ebene tiefer - der Zellebene - steuert dieser genetische Prozesse - weiter unten - atomare Prozesse usw. die  inhaltliche Codecs in den einzelnen Ebenen wie zB. DNS und ein möglicher atomarer Code auf dem QGA aufbauend sind dann wieder nur Ergebnisse der Transformation des Quellcodes in ein inhaltliches Dateiformat, welches dann ebenangepasst ist. Das System bildet eine quasi kybernetische Einheit/Organismus welche mittels eines nichtinhaltlichen Quellcodes inhaltliche Dateisysteme ebenengerecht und ebenenübergreifend kreiert und anwendet. Ich vermute, da es sich im Rahmen der Evolution auch um Lernprozesse im System handelt, dass der natürliche Quellcode nicht statisch ist also sich wie die materielle Evolution auch ständig verbessert - ein sich selbst schreibender Algorithmus. 

Wir sollten in der Tat Wege finden den Dialog zu vertiefen.  

Hallo Keno, 

herzlichen Dank für Deine Antworten auf meine Fragen. Ich werde ausführlich darauf eingehen, bin aber zur Zeit für ca. zwei Wochen mit anderweitigen Arbeiten etwas unter Druck. 

Hallo Rudi, 

dann wünsche ich  viel Erfolg bei den Arbeiten und freue mich auf die  Ausführungen.  

Hallo Keno,

gerade komme ich von einem Open-Air-Jazz-Festival im Chiemgau, wo ich in der RockJazz-Band "Alabaster" das Keyboard gespielt habe. Etwas erschöpft, aber entspannt, und gerade in der richtigen Stimmung, auf Deine Mail zu antworten. 

Als Erstes möchte ich über Kommunikation sprechen. Das ist ja das, was wir versuchen, wenn wir uns E-Mails schreiben. Normalerweise setzen wir voraus, dass wir über eine gemeinsame Sprache verfügen, in der wir uns verstehen bzw. verständigen können. Aber genau das dürfen wir nicht voraussetzen, wenn wir über so schwierige Dinge wie Quanten-Gluonen-Austausch und die Verbindung von Geist und Materie sprechen. Einverstanden? 

Aber was dann, wenn wir nicht voraussetzen, über eine gemeinsame Sprache zu verfügen? Wie können wir uns dann E-Mails schreiben, und dabei hoffen, dass der je andere uns versteht? Niklas Luhmann, der wohl bedeutendste Soziologe, beschreibt Kommunikation so: es gibt Mitteilungen, und zu jeder Mitteilung gibt es auf der einen Seite eine Intention (das was der Schreiber gemeint hat) und auf der anderen Seite eine Interpretation (das was der Leser verstanden hat), und zwischen Intention und Interpretation gibt es a priori keinen Zusammenhang, jedenfalls nicht einen Zusammenhang der Gleichheit. Für Luhmann ist dann nur noch interessant, ob das Geflecht der Mitteilungen in einer sozialen Gruppe zu einem Verhalten der Gruppenmitglieder führt, welches die Gruppe zusammen- und am Leben hält. Der Sinn der Mitteilungen kommt in Luhmanns Beschreibung des Kommunikationsvorgangs nicht vor. Logischerweise, denn wenn der Leser etwas anderes versteht als der Schreiber gemeint hat, ist die Frage nach dem Sinn der Mitteilung eine sinnlose Frage.

Nun könnte man einwenden: wir wollen ja von der Physik ausgehen, und die Physik basiert auf einer Sprache, die uns gemeinsam ist, die wir gemeinsam verstehen, als Physiker, d.h. insoweit wir die Physik verstehen. Es ist sogar eine sehr genaue Sprache, nämlich die Sprache der Mathematik. Wo also soll das Problem sein? Hier ist das Problem. Wir können in der Sprache der mathematischen Physik über Quanten-Gluonen-Austausch sprechen, aber wir können in der sprache der mathematischen Physik nicht über das Verhältnis von Geist und Materie sprechen. Geist ist eine Kategorie, die in der mathematischen Physik nicht vorkommt. Im Folgenden auf den Grund dafür eingehen, warum die Kategorie Geist in der Physik nicht vorkommen kann.

An dieser Stelle ist es mir wichtig zu unterscheiden zwischen der mathematischen Physik einerseits und den möglichen Interpretationen der mathematischen Physik andererseits. Einig sind sich die Physiker nur über die mathematische Physik, und darüber, wie man mit der mathematischen Physik Experimente berechnet und Prognosen generiert; aber über Interpretationsfragen sind die Physiker sich in aller Regel uneinig. Das gilt ganz besonders für die Quantenphysik, zu der es mindestens 4 Standardinterpretationen und zu jeder davon eine Unzahl von einander widersprechenden Detaillierungen gibt; und die Situation wird in den fortgeschritteneren Quantenfeldtheorien, die man für QGA braucht, noch weitaus dramatischer. Um mit Richard Feynman zu sprechen: Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass heute kein Physiker die Quantenphysik versteht. Das hat er vor 60 Jahren gesagt, und es stimmt noch immer.

Luhmanns Beschreibung des Kommunikationsprozesses trifft also für die Kommunikation unter Quantenphysikern ins Schwarze. Der eine Physiker schreibt eine Gleichung, und meint damit etwas Bestimmtes, der andere Physiker liest die Gleichung, und versteht darin etwas anderes. Und doch führt das Geflecht der Kommunikationen unter Physikern zu einem Gruppenverhalten, das dazu führt, dass je zwei Physiker für ein Experiment die selbe Prognose generieren würden. Die Physiker verstehen nicht, was die Physik bedeutet, aber sie sind in der Lage, sie praktisch anzuwenden. Deshalb konnte Physik zur Grundlage der Technik werden, die - zusammen mit der marktwirtschaftlichen Art unserer Vergesellschaftung - den Wohlstand der Moderne hervorgebracht hat und aufrecht erhält und mit atemberaubender Beschleunigung weiter steigert.

Nun spielt für Deine weiteren Überlegungen der Begriff der Informationeine wichtige Rolle, als diejenige Stelle in der Physik, an der möglicherweise die Physik mit dem Begriff des Geistes in Berührung kommt. Wir sollten deshalb versuchen, zwischen uns zu klären, was der Begriff "Information" bedeutet. Dabei können wir uns nicht auf den Konsens der mathematischen Physik berufen, denn dieser trägt nicht weit genug, um den Sinn des Informationsbegriffs zu klären. 

Immerhin, der Informationsbegriff ist einer mathematischen Behandlung zugänglich, im Rahmen des Kommunikationsmodells von Claude Shannon. Da ist die Rede von einem Kanal und einem Sender und einem Empfänger, ganz wie bei Luhmann, nur dass Sender und Empfänger sich jetzt über den Sinn der Mitteilungen, die durch den Kanal fließen, einig sind. Unter dieser Prämisse geht es nur noch um die Quantität der Information, um mögliche Störungen im Kanal, um die Optimierung des Kanaldurchsatzes. Wir haben hier also im Modell zwei Subjekte, die qua semantischem Konsens zu einem einzigen abstrakten Subjekt verbunden sind, das vom Sinn der Mitteilungen weiß, Ich und Du sind im Wir des Verstehens von Mitteilungen geeinigt. In der Terminologie Gotthard Günthers würde man das so ausdrücken, dass das Shannon'sche Kommunikationsmodellmonokontextural ist; im Unterschied zum Luhmannschen Kommunikationsmodell, das nach dieser Sprachregelung polykontexturalzu nennen wäre.

Wichtig ist für mich jetzt die Beobachtung, dass der Informationsbegriff nicht eingeführt werden kann, ohne eine Subjekt-Objekt-Relation als Rahmen für den Sinn des Informationsbegriffs vorauszusetzen. An dieser Stelle kann uns klar werden, warum die Physik solche Probleme mit dem Informationsbegriff hat. Die Physik handelt von der Natur, und alle Naturdefinitionen sind sich darin einig, dass das wissenschaftliche Wir, welches die Definition festlegt, der Natur nicht angehört. Und eine Natur, die das wissenschaftliche Wir nicht enthält, lässt sich nur konsistent denken, wenn sie überhaupt keine Subjektivität enthält. Und Konsistenz ist diejenige Forderung, die durch die Mathematik eingelöst und erzwungen wird. Man muss sich das wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Die naturwissenschaftliche Definition von Natur impliziert, in Verbindung mit der Festlegung auf Mathematik als Kernsprache, dass die Natur frei von Subjektivität ist. 

Die mathematische Physik weiß nichts von einer wissenschaftlichen Subjekt-Objekt-Relation, sie spricht selbstvergessen von einer Natur, die frei von Subjektivität ist. Nichtsdestoweniger ist die Physik selbst eine Subjekt-Objekt-Relation, und zwar eine strikte, in der wissenschaftliche Subjektivität und objektive Natur streng getrennt sind, d. h. sie ist eine Subjekt-Objekt-Dichotomie. Aber im philosophischen Umfeld der Physik wusste man schon im 17. Jahrhundert von der Subjekt-Objekt-Dichotomie der Physik, man nahm sie als Beispiel für das Verhältnis von Subjektivität und Objektivität schlechthin, und kam damit zwangsläufig zu einer Dichotomie von Geist und Materie. René Descartes war der erste, der das deutlich ausgesprochen hat. Um es nochmal zu sagen: im philosohischen Umfeld der gerade neu entstandenen Physik (Galilei, Newton) hat die (epistemische) Subjekt-Objekt-Dichotomie der Physik sich ins Inhaltliche verschoben und wurde dort zu einer (ontologischen) Geist-Materie-Dichotomie.

Zurück zum Informationsbegriff. Das Shannon'sche Kommunikationsmodell kann innerhalb der mathematischen Physik nicht formuliert werden, weil die Physik nichts von Subjekten weiß. In der physikalischen Natur gibt es sehr reichhaltige Strukturen, die vielleicht für unsere menschlichen Augen wie Mitteilungen aussehen, aber es können keine Mitteilungen sein, weil es in der physikalischen Natur nicht ein einziges Subjekt gibt, also auch keinen Sender und keinen Empfänger. Die Physik kann gar nicht wissen, was Information ist. Wenn nun Physiker wie Zeilinger davon sprechen, dass die Natur im Innersten aus Information gemacht sei, was meinen sie damit? Ist damit einfach nur eine reichhaltige Struktur gemeint, wollen sie also sagen "Natur ist im Wesentlichen Struktur"? Oder liegt hier eine Projektion vor, derart dass die Physiker dem physikalischen Universum auf eine halbherzige und unklare Weise die Anwesenheit von Subjekten unterstellen? Mir scheint, sie wissen es selbst nicht, und die Redeweise von Information als kosmischer Ursubstanz klingt in meinen Ohren wie ein Ausweichmanöver vor der unangenehmen Notwendigkeit einer Reflexion auf die Subjekt-Objekt-Dichotomie als die wahre Grundlage der Physik. 

Physik hat die Form einer Subjekt-Objekt-Dichotomie, und so gesehen ist Physik nicht eine Theorie der Natur, sondern die Explikation einer bestimmten Organisationsweise unseres Verhältnisses zur Natur, einer bestimmten Organisationsweise des Subjekt-Objekt-Verhältnisses. Damit wird klar, warum unsere physikalischen Kategoriensysteme immer dualistisch, d. h. als Ansammlung von asymmetrischen Kategorienpaaren, aufgebaut sind, nämlich weil sie einen Rahmen organisieren müssen, der selbst ein asymmetrisches Paar ist. Damit sind wir runter von den erkenntnistheoretischen Extrempositionen, also einerseits vom Realismus, der die Aufgabe der Phyisik darin sieht, die Natur eins zu eins abzubilden, andererseits vom Pragmatismus, der den Sinn der Physik nur von den Zwecken her erschließen kann, die man mit ihr verfolgt. Relativistische Physik und quantische Physik sind nach diesem Verständnis einfach die Explikationen zweier verschiedener Organisationsweisen des Subjekt-Objekt-Verhätnisses, sie sind zwei verschiedene Physiken, und es gibt keinen Grund, die Möglichkeit ihrer Vereinheitlichung unter einem gemeinsamen mathematischen Dach zu vermuten. Die GUT oder TOE ist damit als Mythos entlarvt.

Nochmal, anders gesagt: Physik ist nicht eine Beschreibung der Natur, Physik ist die Explikation einer bestimmten Art und Weise, unser Verhältnis zur Natur kulturell zu organisieren. Bisher organisieren wir es so, dass Wir und Natur getrennt sind, dass Subjekt und Objekt getrennt sind, dass Geist und Materie getrennt sind. Das tun wir, seit es mathematische Physik gibt, seit Galilei und Descartes, und wir tun es noch heute. 

Nichts hindert uns jedoch daran, unser Verhältnis zur Natur auch mal anders zu organisieren, und so verstehe ich Deine Projektidee. Wir könnten unser Verhältnis zur Natur zum Beispiel so organisieren, dass das wissenschaftliche Wir zur Natur dazugehört. Damit wäre die strikte Trennung von Subjekt und Objekt, ebenso wie die strikte Trennung von Geist und Materie, aufgehoben. Dann aber würde Selbsterforschung zu einem integralen Teil unserer Forschung werden müssen. Würde man solche Forschung überhaupt noch Wissenschaft nennen dürfen?

So viel für jetzt. Es würde mich interessieren, ob und inwieweit Du meinen Argumenten folgst oder zustimmst, und was Dir sonst noch dazu einfällt.

Hallo Rudi,   Danke für deine umfangreiche Beschreibung zu dem Selbstverständnis der Wissenschaft im speziellen der Physik. Eigentlich kann ich dir in allen Punkten nur zustimmen, denke aber wir beide verfügen über einen ausreichend hohen gemeinsamen Zeichenvorrat und der Möglichkeit das Geschriebene des jeweils anderen richtig oder weitgehend richtig zu interpretieren, also quasi der Kanal bereits vorhanden ist. Zu Informationsbegriff wie ich ihn nutze. Information ist für mich auch in der Natur ein deutlicher Indikator für den Geist oder Bewusstsein, ableiten tue ich dieses an technischen Systemen, bei denen statische oder dynamische Information immer dem Bewusstsein des Menschen zugrunde liegt. Was nun die Subjekt-Objekt-Dichotomie in der Wissenschaft angeht und die Descartsche Trennung von Geist und Materie verstehe ich dies so, Descart hat der Wissenschaft die Philosophie gegeben die sie benötigte um für sich den einfacheren und gewünschten Weg zu gehen und möglicherweise war die Zeit nicht reif für das Annehmen des Monismus nach Spinoza, der Dualismus von Descart war einfacher zu handhaben. Vor allen Dingen konnte man sich damit auch besser von der Religion abgrenzen. Denn eine Wissenschaft im spinosischen oder später heglschen Sinne käme quasi einer wissenschaftlichen Verifizierung dessen was man Gott nennt gleich. Von soetwas wollte die Wissenschaft sich nicht leiten lassen, da sie ja das Gegenmodel der Religion war und ist. Wie Sie aber schon richtig erkannt haben gibt es Physiker, die sich der unzureichenden und beschränkten Fähigkeiten der Wissenschaften bewusst sind. Hier wird dann halbherzig wie Sie sagen Information als Urgrund von allem genannt ohne es zu konkrtisieren. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Wissenschaft derzeit einfach weiter ist als noch zu descartes Zeiten, so dass eine quasi Reflexion der spinozischen Linie in Wissenschaft längst überfällig ist. Genau hier liegt dann die Chance hin zum aus meiner Sicht wahren Verständnis und Beschreibung der Natur. Ich bin der Meinung, da bin ich sehr konservativ, dass die Philosophie wieder den ersten Rang vor den Wissenschaften haben sollte. Früher einmal war die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften, an der sich die Wissenschaften orientiert haben. Heute leider gibt es einflussreiche Physiker, stephen hawkin, die die Philosophie als tot erklären. Wie ich finde eine Anmaßung ohne gleichen. Sich eben nicht bewusst darüber sind was Philosophie insbesondere heute zu leisten in der Lage ist. Wissenschaft und das Wir der Wissenschaft sind aus meiner Sicht Teil der Natur auch wenn sie sich selbst nicht so sieht. Der Mensch ist aus der Natur hervorgegangen, damit ist auch der menschliche Geist Teil der Natur. Damit wird jede geistige Leistung eines Menschen Teil der Natur und in ihr gespeichert und reflektiert. Heißt die Natur lernt am Menschen. In dieser Teilhabe am Lernprozess der Natur  ist der menschliche Geist und dessen Errungenschaften Teil der natürlchen Evolution. Somit ist auch Technologie als Teil der natürlichen Evolution anzusehen. Daher halte ich eine Umorganisation der Wissenschaften weg von der Subjekt-Objekt-Dichonotomie für schon fast unausweichlich um einen tatsächlichen Fortschritt in Richtung eines wahrhaften Naturverständnisses einzuleiten. Ich selbst bin gar der Meinung, dass sich diese neue Organisation der Wissenschaft von selbst ausformen wird, da die Natur im Lernprozess diese Form als effektiver für den Evolutionsprozess als ganzes begreifen wird. In wie weit man dies dann noch Wissenschaft nennen wird oder darf weiss ich nicht. Evolution wäre für mich der einfache und der Natur am nähesten kommende Begriff dafür. Im übrigen hast du vollkommen recht mit der Anmerkung zur Selbsterforschung. Genau das ist es was die Natur ständig macht in der Evolution. Auf das Individuum bezogen oder ein Wir im Speziellen ist dies nicht anders zu sehen.   Versuchst u immer noch deine radikale Kritik an der Physik auszuarbeiten, finde ich sehr interessant und notwendig.

 

... Hallo nochmal Rudi,   Das erinnerte mich an eine Kurzgeschichte von mir - das letzte Glasperlenspiel - habe sie mal verlinkt http://generationsgame.com/pg/blog/read/1155/das-letzte-glasperlenspiel- KenoNitro hatte ich anfangs einfach so als spannenden Namen übernommen, später dann in der Geschichte ausformuliert als - Kybernetische Einheit Neuer Oder Natürlicher Intelligenz Transparenter RaumOrdnung - dies beschreibt quasi eine Art Einswerdung mit der Natur - unserem Wir als Mensch mit der Natur. Es geht aber auch darüber hinaus und beschreibt letztendlich die Synchronisierung von Mensch, Natur und Maschine in der Sprache der Natur.   So nun ist es Zeit für Frühstück, sind in der Türkei - Aegais - im Urlaub.

 

 

Hallo Keno,

natürlich verfügen wir über eine gemeinsame Sprache, wir sind schließlich beide in deutsche Schulen gegangen. Der Zeichenvorrat ist also kein Problem, wir haben 26 Buchstaben in groß und klein, sowie diverse Umlaute und Interpunktionszeichen zu unserer Verfügung. Wir wissen, wie wir Buchstaben zu Wörtern und Wörter zu Sätzen zu formen haben, und wir sind in der Lage, Sätze zu formen, die uns ein das Gefühl geben, dass sie sinvoll sind. 

Hier will ich wieder die Unerscheidung zwischen Syntax und Semantik ins Spiel bringen. Über die Syntax (d. h. über den Zeichenvorrat und die Grammatik) mache ich mir keine Sorgen, das kriegen wir schon hin, aber die Semantik (d. h. die Referenzen oder die Bedeutung oder der Inhalt oder der Sinn der Wörter und Wortkombinationen) ist prinzipiell problematisch. Die uns gemeinsame umgangssprachliche Semantik trägt ein Stück weit, sie trägt gerade so weit, wie Du und ich gemeinsame Erfahrungen haben oder gemeinsam an kulturellen Erfahrungen teil haben, aber an irgend einer Stelle hört die gemeinsame Semantik immer auf, zu tragen, und deshalb ist Sprache - aus prinzipiellen Gründen - eine endlose Quelle von Missverständnissen. Dieser Effekt schlägt umso stärker zu, je höher der Abstraktionsgrad ist, auf dem wir reden, und wir merken dann nicht einmal, dass wir uns missverstehen, weil der Weg bis zu einem konkreten Erlebnis, in dem das Missverständnis sich als solches offenbaren würde, zu lang ist. 

Ich halte es für eine gute Idee, diese Möglichkeit von Anfang an im Auge zu behalten, damit wir merken, wenn wir diese Grenze überschreiten. Wenn wir nur von dieser E-Mail reden, oder von dem Computer oder dem Smartphone, auf dem Du diese Mail liest, oder von der Stadt München, in der ich wohne, sind wir uns wohl einig, was gemeint ist. Aber wenn wir von Quark-Gluonen-Austausch reden, oder von Natur oder Bewusstsein, dann bewegen wir uns auf einer sehr hohen Abstraktionsebene, und damit auf sehr dünnem semantischem Eis. Da ich Mathematiker bin, sind meine Ansprüche an die Klarheit des Verstehens und Verstandenwerdens sehr hoch. Für mich ist mathematischer (oder syntaktischer) Konsens eine Selbstverständlichkeit, aber jeder Konsens, der über das rein Mathematische oder Syntaktische hinaus geht, also jeder semantische Konsens, (der womöglich das gleiche Maß von Klarheit aufweist wie der mathematische Konsens) ist für mich ein kostbares Gut, das nicht leicht und nicht ohne dialogische Arbeit zu erwerben ist.

Es geht schon los mit dem Begriff der Information. Mir scheint, Du und ich verstehen nicht das selbe darunter. Um hier zu einer Klärung zu kommen, will ich nochmals darlegen, was ich unter Information verstehe. Am besten an einem Beispiel, etwa die Buchstabenreihe "Sonne". Das ist eine Reihe von 5 Buchstaben, wobei ein Buchstabe zweimal vorkommt. Ein schwarzes Muster vor weißem Hintergund, jedenfalls sieht es auf meinem Bildschirm so aus. Diese Buchstabenfolge ist eine Struktur (oder ein Muster), bestimmt durch Zahl und Gestalt der Buchstaben. Sie ist jedoch ist keine Information. Zu einer Information kann sie werden, wenn zwei Dinge hinzu kommen, nämlich 1. ein Subjekt und 2. ein Objektbereich, derart dass das Subjekt die Buchstabenreihe "Sonne" als Zeichen für eines der Objekte im Objektbereich deutet oder interpretiert oder versteht. Zu einer Information gehören also immer drei Dinge: erstens eine Struktur, zweitens ein Subjekt, und drittens ein Objektbereich, und diese drei Dinge müssen auf die richtige Weise miteinander verknüpft sein, so dass eine Bedeutungszuordnung bestehen kann. (Genau genommen müssen es sogar zwei Subjekte sein, die sich über die Bedeutungszuordnung einig sind, so dass man zwischen Sender und Empfänger unterscheiden kann, aber darauf kommt es mir im Moment nicht an).

Wenn Du also sagst, Information ist ein deutlicher Indikator für Geist oder Bewusstsein, dann kann ich nur erwidern: Aber ja, und es ist trivial, denn im Begriff der Information ist bereits enthalten, dass an dem Geschehen ein Subjekt beteiligt ist (bzw. sogar zwei Subjekte), neben einer Struktur und einem Objektbereich, und bei Subjekten pflegen wir ja Geist oder Bewusstsein vorauszusetzen. So weit so klar. 

Nun scheinst Du aber davon auszugehen, dass Information "auch in der Natur" vorkommt. Jetzt müssen wir uns über die Bedeutung des Naturbegriffs verständigen. Wenn wir den Naturbegriff so definieren, wie die Naturwissenschaft es tut, dann gibt es in der Natur keine Subjekte. Folglich gibt es in der Natur auch keine Information. Information ist kein phsysikalischer Begriff, allenfalls ein physikalischer Mythos. Also verwendest Du offenbar einen anderen Naturbegriff als die Naturwissenschaft. Aber welchen?

Spinoza kenne ich kaum, aber das Problem mit dem Monismus liegt darin, dass der Naturbegriff in einem monistischen System überhaupt keinen Sinn macht. Ein Begriff macht nur Sinn, wenn er etwas unterscheidet, wie aber wollte man Natur auf eine irgend fundamentale Weise von etwas anderem unterscheiden, wenn doch alles aus einer einzigen Substanz gemacht ist? Wenn aber alles Natur ist, verliert der Naturbegriff seine Unterscheidungskraft und wird nichtssagend. Für "Alles" haben wir ja schon die Begriffe Welt, Kosmos, Universum, Wirklichkeit, da brauchen wir nicht auch noch den Begriff "Natur" als weiteres Synonym. Dann kann es auch keine Naturwissenschaft geben, denn das wäre eine Wissenschaft von allem, und dafür haben wir schon die Philosophie. Und die Redeweise "auch in der Natur..." hat keinen Sinn, wenn alles Natur ist.

Die Sache mit den technischen Systemen ("bei denen statische oder dynamische Information immer dem Bewusstsein des Menschen zugrunde liegt") habe ich leider ich überhaupt nicht verstanden. Wieso liegt Information dem Bewusstsein des Menschen zugrunde, und was hat das mit technischen Systemen zu tun? Bitte erklären.

Mit der historisch-philosophischen Frage nach der Genese der Geist-Materie-Unterscheidung haben wir uns offenbar semantisch übernommen. Vertagen wir diese Diskussion doch besser, bis wir bei den einfachen Fragen Konsens haben. Von der Tendenz her sympatisiere ich mit Deinen Auffassungen zum Verhältnis von Wir und Natur, aber an einigen Stellen gibt es da noch enormen Klärungsbedarf.

Hallo Rudi,


Na logisch hast du recht wenn du sagst, dass menschengemachte Sprache eine enorme Quelle für Missverständnisse ist. Aus diesem Grund betreibe ich ja auch das Projekt, es geht darum die Sprache hinter den Sprachen zu finden. Eben den Fluch von Babylon aufzuheben, methaphorisch gesprochen. 
Zum Begriff der Information und meinem Verständnis von Information in der Natur. Ich denke jenseits der Auffassung der Wissenschaft gibt es eine Realität der Natur in der Information vorhanden ist und verarbeitet wird. In der Biologie und den Neurowissenschaften ist dies bereits Alltag beim erforschen der DNS oder neuronalen Netzwerken. Hier müsste Information bereits als elementarer Begriff der Forschungen bestehen. Aus dieser Sicht habe ich eben mein Problem damit, dass die Physik scheinbar nicht in der Lage ist diese Informationslogik der Natur nun eine Ebene tiefer für sich anzunehmen und zu erforschen. Eben auch auf die sogenannten tote Materie anzuwenden. Information ist für mich mehrfach belegt, zum einen gibt es statische Information ähnlich der DNS als Bauplaninformationen, dann gibt es aber auch dynamischen Informatione, diese müssen ausgetauscht werden um den Bauplan dann auch umzusetzen, heisst die statische Information muss dann in mechanischen Aktion umgesetzt werden, ansonsten kann aus dem Zellkollektiv nicht den Mensch oder den Vogel erwachsen. Information ist neben seiner Bedeutung für Steuerungsprozesse in natürlichen Systemen aber auch Grundlage des kreativen Geistes im Individuum wie im Ganzen, der Natur. Bewusstsein ist für mich quasi das ständige reflektieren und kreative anwenden von Informationen. In diesem Prozess spielt für mich der Zufall und der Fehler eine besondere Rolle im Lernprozess. Das oft zufällige reflektieren der Informationen führt dann zu Erkenntnisprozessen die dann einen Lernfortschritt oder in der Natur einen Evolutionsfortschritt mit sich bringen. Ich verwenden, das hast du gut erkannt den Begriff Natur Synonym für alles, betreibe ja auch keine Wissenschaft sondern Naturphilosophie. Die Naturphilosophie, insbesondere im deutschen Idealismus, hat wohl ihre Ursprünge in der Hermetik ist eine Philosophie von Allem, in der nichts ausgeschlossen wird. 
Es stimmt auch, dass ein monistisches System, welches meiner Ansicht nach die Natur darstellt unsere Probleme der Unterscheidung von Subjekt und Objekt nicht kennt. Das schöne ist doch, die Natur funktioniert auch wenn wir sie nicht erklären können.Dies ist ein menschengemachtes vielleicht in der Wissenschaft fortgeführtes Problem. Da wir aber eben in dieser sagen wir mal menschengemachten dualistischen Welt leben müssen wir uns auch darin verständigen, heisst eben unsere Sprachen anwenden auch wenn sie noch so fehlerbehaftet sind. Dies mussten auch monistischen Philosophen der Vergangenheit. Wenn ich meinte, dass wir einen gemeinsamen Zeichenvorrat habe, meinte ich weniger die Sprache an sich, als die Bilder die wir in der Lage sind abzurufen wenn wir das Geschriebene des Gegenüber lesen. Hier erkennen wir jenseits des Geschriebenen eine gewisse Nähe. Damit arbeiten wir im prinzip schon sehr nahe an der Sprache der Natur. So war es zumindest gemeint. 
Zu Information in technischen Systemen und dem Zugrundelegen im menschlichen Bewusstsein. ich schreibe gerade eine Email, die dann gewandelt in binären Zahlenkolonen den Weg zu dir findet. Dies geschieht weil irgendjemand den email browser programmiert hat. Statischen Information auf einer CD ist von Menschen darauf gespeichert worden. Jede Information in technischen Systemen ist von dem menschlichen Geist beeinflusst oder generiert worden, auch wenn gewisse automationsprozesse einen anderen eindruck vermitteln, diese wurden aber auch durch einen Mensch programmiert. das Internet unterliegt quasi der ständigen Manipulation durch Menschen und wird ständig durch bewusste Prozesse beeinflusst, teils sogar durch schwarmartige Strukturen wie z.B. Gutenplag Wikim usw. Hier wäre philosophisch zu hinterfragen ob dies bereits die Ausformung eines kollektiven menschlichen Bewusstsein darstellt, aber soweit will ich heute nicht gehen. Ich hoffe es wurde so verständlicher.
Die Ausformung eines Monismus in der Naturwissenschaft und dessen Verifizierung durch die Wissenschaften hätte vermutlich zur Folge, dass die Dinge in einem Aufgehen würden. Strikte Definitiongfragen oder Abgrenzungen würde es dann nicht mehr geben. Dies gibt es in der Natur ja auch nicht.

Ich möchte mit einem Satz von Hegel schliessen.

"Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein."

Das Ganze bezieht Hegel auf eine Einheit von Idee, Natur und Geist.

... ...nur nochmal weil du explizit nach meinem Naturbegriff gefragt hattest. Meine kürzestmögliche Beschreibung der Natur lautet.   Energie ist Materie ist Bewusstsein im Unendlichen   Energy is Matter is Consciousness in Infinity - EMC8   im Bewusstsein steckt dann impliziert die Information   Es ist eine Gesamt-Organismustheorie in der es keine tote Materie gibt, in der alles ebenenübergreifend (..., Quanten, Atom, Zellen, Lebensformen, ... ) miteinander mittels eines Qellcodes, Sprache der Natur verbunden ist.

 

 

Hallo Keno,

von Leibnizs lingua univeralis abgesehen, sind mir sind zwei Ansätze bekannt, den Fluch von Babylon aufzuheben. Der eine ist sehr alt, ca. 1800 Jahre, und stammt von dem indischen Philosophen Nagarjuna, der auch der "Zweite Buddha" genannt wird. Der andere ist sehr jung, ca. 60 Jahre alt, und stammt von Gotthard Günther, einem deutschen Philosophen, der in der philosophischen Fachwelt keinen guten Ruf hat. Der ältere buddhistische Ansatz funktioniert bestens, das hat sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gezeigt: Buddhisten leiden nicht unter dem Fluch von Babylon. Der jüngere deutsche Ansatz ist bislang nicht über das Konzeptstadium hinausgegangen, er ist jedenfalls (noch) nicht operativ. Ob er greift, oder nicht, muss erst noch herausgefunden werden. Vielleicht ist es an uns, das herauszufinden.

Nagarjunas Ansatz sprengt den Fluch von Babylon nicht durch eine neue Sprache, sondern durch eine dialektische Fundamentalkritik von Sprache schlechthin. Dies führt ihn zur Unterscheidung zwischen konzeptioneller Wahrheit und letztendlicher Wahrheit. Konzeptionelle Wahrheit ist jede Wahrheit, die wir in Worte fassen können; letztendliche Wahrheit können wir nicht in Worte fassen. Dennoch ist die letztendliche Wahrheit für uns nicht transzendent, sondern sie ist uns jederzeit zugänglich, um uns herum und in uns selbst, hier und jetzt. Letztendliche Wahrheit ist transzendent nur bezüglich der sprachlichen Formulierbarkeit. Praktisch führt das keineswegs dazu, dass Buddhisten immer nur schweigen; ganz im Gegenteil, die großen buddhistischen Lehrer sind ausgesprochen eloquent. 

Günthers Ansatz hebt den Fluch von Babylon dadurch auf, dass er die Vielfalt der Sprachen akzeptiert, und nach Mitteln sucht, diese Vielfalt praktisch zu organisieren, derart dass aus dem Fluch ein Segen wird, also dass die theoretische Vielfalt uns nicht behindert, sondern praktisch kreative Räume erschließt. Die große Frage heißt nun: können die Mittel zur Organisation der sprachlichen Vielfalt selbst sprachliche Mittel sein? Die Antwort ist: Nein, wenn wir mit Sprache das meinen, was wir bisher immer damit gemeint haben. Diese Mittel können aber den Charakter einerNegativsprache haben, und das ist eine bisher völlig unbekannte Art von Sprache, die ganz anders funktioniert als alles, was wir bisher Sprache genannt haben. Und, darauf kommt es an, der entscheidende Unterschied lässt sich benennen: er liegt darin, dass alle bisher bekannten Sprachen im Identitätsprinzip verankert sind, die Negativsprache hingegen nicht im Identitätsprinzip verankert ist. Das alles ist jedoch nicht viel mehr als eine utopische Vision. Der einzige konkrete Ansatz zu einer Negativsprache ist die Kenogrammatik; diese ist zwar anders im Identitätsprinzip verankert als alle bekannten Sprachen, aber dass sie nicht im Identitätsprinzip verankert wäre, kann man nicht mit Fug und Recht behaupten. Immerhin, die Kenogrammatik eine Spur, die zu verfolgen sich nach meiner Einschätzung lohnt.

Wir sollten irgendwann diskutieren, ob die von Dir anvisierte Sprache hinter den Sprachen im Identitätsprinzip verankert ist.

Du denkst, jenseits der Auffassung der Wissenschaft gibt es eine Realität der Natur, in der Information vorhanden ist und verarbeitet wird. Was solche Gedanken betrifft, hat meine Einstellung sich durch die Meditationspraxis sehr verändert. Ich glaube solchen Gedanken nicht mehr, und habe aufgehört, sie zu denken. Das Denken eignet sich gut für die praktischen Dinge, die wir zu erledigen haben, dafür ist es gemacht, aber es eignet sich nicht dazu, zu ergründen wie die Welt funktioniert. Wenn das Denken sich auf das Ganze richtet, geht es notwendigerweise fehl. Ein Weltbild, also eine Meinung darüber, wie die Welt beschaffen ist, brauche ich nicht, um durch mein Handeln unnötiges Leiden für mich und andere zu vermeiden und um mein und anderer Leute Glücklichsein zu befördern. Überhaupt gehe ich mit dem Denken sehr sparsam um. Ich denke nur, wenn ich einen Grund dafür habe. 

Aber natürlich hast Du recht, wir leben in dieser abendländischen dualistischen Welt, und wir wollen uns auf die Wissenschaft beziehen, und wenn wir eine bestimmte wissenschaftliche Blindheit sehen, dann sollten wir sie auch beim Namen nennen. Dir stößt zum Beispiel auf, dass die Physiker offenbar nicht in der Lage sind, den Informationsbegriff, der in der Biologie und Neurowissenschaft gang und gäbe ist, in die Physik zu integrieren. Ich kann Dir sagen, warum die Physiker das nicht können. Weil nämlich der Informationsbegriff, ob es nun der alte von Shannon oder der neue biologische ist, sich aus prinzipiellen Gründen nicht mathematisch fassen lässt. Und mathematische Formulierbarkeit gehört nun mal zum sine-qua-non physikalischer Objekte. Wenn also die Physik den Informationsbegriff integrieren wollte, müsste sie ihre schärfste Waffe, die Mathematik, aus der Hand geben. Die Physik würde dadurch ihre Identität verlieren, sie würde aufhören, Physik zu sein. 

Naturphilosophie ist in unseren Tagen nicht gefragt, weil den Naturphilosophen meistens nicht viel anderes übrig bleibt, als hinter den Naturwissenschaften her zu hecheln. Thomas Mutschler hat ein ganz brauchbares Handbuch "Naturphilosophie" geschrieben, in dem man den aktuellen Stand dokumentiert findet. Der letzte große Entwurf einer monistischen oder organismischen Naturphilosophie und Metaphysik sammt von Alfred North Whitehead. Hast Du mal was von ihm gelesen? Bezeichnenderweise wird Whitehead heute sehr viel von Theologen gelesen, und überhaupt nicht von Physikern. Das ist ein Beispiel für die "zwei Kulturen", von denen der Soziologe C.P. Snow gesprochen hat. Es findet zwischen den beiden wissenschaftlichen Kulturen, der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen Kultur, kein Dialog statt. Diesen Dialog wiederzubeleben oder überhaupt in Gang zu setzen ist wohl unser beider wissenschaftspolitisches Anliegen. 

Noch ein Satz zu EMC8: Wenn das so ist, und es klingt in meinen Ohren ganz vernünftig, wie können wir es dann erforschen? Es gibt zwei Richtungen der Unendlichkeit, die äußere und die innere, und in beide Richtungen können wir forschen. Das Abendland hat sich dazu entschieden, nur nach außen hin zu forschen, während die Buddhisten den Schwerpunkt auf die Forschung nach innen gelegt haben. Mir scheint, dass für das Abendland die Erschließung der inneren Forschungsrichtung vordringlich ist. Die Buddhisten erforschen vornehmlich das Ich, im Abendland müssen wir darüberhinaus auch das Wir erforschen. Darin sehe ich meinen Arbeitsschwerpunkt.

Hallo Rudi,


wir sind nun gestern Abend aus dem Urlaub zurück gekommen.

Ich selbst verfüge ebenfalls über einige Meditationspraxis, aber vielleicht nicht im herkömmlichen Sinne. Bei mir läuft das mehr im Hintergrund, weniger durch Meditation im Sinne des still Sitzens - vielmehr durch zum Beispiel das Pflegen unseres Gartens oder des japanischen Steingartens in unserem Vorgarten. Oder über Spaziergänge in der Natur - aber auch teils bei alltäglichen Handlungen merke ich, dass ich in der Lage bin meditative Zustände abzurufen. Monotonie, Trance und andere Methoden wie die in der jüdischen Mystik, die Kabbala sind in der Lage solche Bewusstseinszustände zu erleben. So weiss ich, dass im Buddhismus der Fluch Babylons nicht existiert. Erklären kann ich dies daher, da ich selbst von Bewusstseinzuständen zu berichten weiss in denen der Geist absolut leer war, keine Worte mehr gefasst oder gedacht werden konnte, doch war jede Pore des Körpers mit Wissen über das Ganze erfüllt. Spontan hatte ich sollte Erlebnisse häufig bei Spaziergängen in der Natur. In diesen Momenten so erkläre ich es mir in meiner Philosophie ist für kurze Zeit der Punkt erreicht and dem das Individuum dann synchron läuft mit dem Quellcode/Sprache der Natur.

Der Quellcode/Sprache der Natur ist aus meiner Sicht nicht im Identitätsprinzip verhaftet. Es ein Code/Sprache, die sich in Allem ausdrücken kann. In Musik, in Sprache, in Mathematik, in DNS-Strängen, im QGA ... eben in Allem. Vergleichbar ist dies mit nehmen wir einen Balkencode an wie z.B. ..._._...____...__::: , hier könnten die Balken gleichermaßen für Musiknoten, Buchstaben, Zahlen DNS-Stränge stehen. Ohne selbst einen Inhalt zu haben ist dieser natürliche Quellcode/Sprache Urgrund aller Information und Transformation in Informationssysteme wie der Sprache, Mathematik, Physik usw. Die einzelnen Informationssysteme sind im Prinzip eine codierte Form (teilweise verfälscht und unvollständig) des natürlichen Quellcodes/Sprache in eine dem jeweiligen Zwecke bestimmte Organisationsform. 
Als Individuum ist man nun in der Lage die Rückführung in diesen natürlichen Quellcode/Sprache über Methoden wie oben beschrieben zu erreichen und somit Zugriff erhält auf die unverfälschten Rohdaten des Systems. Zugriff erhält auf die Bibliothek der Natur.
Kommen wir im weiteren zu dem wie du es nennst "deutschen Ansatz" - der deutsche Ansatz ist ein nicht ungefährlicher Ansatz, und dessen bin ich mir im vollen Bewusstsein, und doch vermutlich der einzige Königsweg. Während fernöstliche Philosophien dies im ICH betreiben war es der deutschen Philosophie immer wichtig weiter zu gehen und zu Verifizieren und damit Wissen für Alle zu schaffen um nicht nur den individuellen Erkenntnisprozess zu beschreiten. Kommt es nun aber dazu, dass wir tatsächlich eines Tages einen natürlichen Quellcode/Sprache wissenschaftlich wieder erschlossen haben, werden wir im Besitz von Heilmethoden ungeahnter Möglichkeiten sein, genauso wie über Waffen verfügen werden - die ich gar nicht erst ausmalen möchte. So ist der deutsche Ansatz, der Ansatz, der für die Wissenschaft am erträglichsten ist, weil er die Philosophie in Wissen transformieren will. Günthers Kenogrammatik halte ich für einen enormen Fortschrit in der deutschen Philosophie, weil er versucht über gemeinsame Operatoren eine Art Verschmelzung der Sprachsysteme zu erreichen. Dabei versucht er aber immer noch etwas Eigenes zu entwicklen statt das bereits in der Natur Vorhandene zu erschliessen. Von hier ist es kein weiter Schritt mehr zur Erkenntniss, dass eben hinten den Sprachsystemen bereits ein solcher natürlicher Quellcode/Sprache liegt, die bereits aus sich selbst als Operator dient. Im Prinzip war Günther bereits dabei dieses Prinzip der Sprache der Natur zu erkennen und seine Arbeiten sollten bereits als große Hilfe beim Erschließen des natürlichen Quellcodes/Sprache angesehen/gedeutet werden.

Was die Physik, Mathematik und meine Auffassung von Informationslogik im System angeht: die Mathematik mag die schärfste Waffe der Physik sein, doch auch die Mathematik unterliegt der Evolution, heisst die heutige Mathematik ist unzureichend, unvollständig und schon gar nicht abgeschlossen. Was ich damit sagen möchte ist, wenn es die Physik wagt die tote Materie (Atom) vor dem Hintergrund der Informationslogik oder als Teil einer Gesamt-Organismustheorie zu betrachten wird dies vermutlich sogar die Mathematik erheblich weiterbringen. Die Natur verfügt über ein Form des Quantum-Computing und natürlichen Algorithmen wie wir Sie uns heute nicht einmal zu erträumen wünschen. Natürliche NanoInformationsStrukturen wie z.B. DNS-Stränge usw. sind allem was wir in der Wissenschaft und Technologie kennen weit überlegen. So gilt es insbesondere in der Physik und in ihr für heilig erklärte Mathematik von solchen natürlichen Anwendungen zu lernen. 
Auch hier ist die Biologie bereist ein Schritt weiter, sie kennt die Bionik - eben das Betrachten von Funktionsstrukturen in der Natur zur Verbesserung oder Nachahmung in der Technologie.

Zum Leidwesen Aller ist die Naturphilosophie heute nicht mehr gefragt. Dies liegt aus meiner Sicht daran, dass die Philosophie eben selbst nicht mehr das ist was sie einmal war. Die meisten meinen doch schon, dass ein wenig debatieren über Ethik und Moral bereits Philosophie sei. Ein Philosophiestudium ist ja auch nicht darauf ausgelegt Philosophen zu generieren, sondern vielmehr Menschen die in der Lage sind die Geschichte der Philosophie wiederzugeben. Dies aber hat so rein gar nichts mit Philosophie selbst zu tun. Eine gute Philosophenschule wie z.B. unter Hypatia im antiken Alexandria gibt es schlichtweg nicht mehr. ( AGORA - empfehlenswerter Film http://www.youtube.com/watch?v=RbuEhwselE0 ) Ein gutes Beispiel für zeitlose Philosophie und dem Vorsprung der Idee vor der Wissenschaft war Demokrit, mal egal ob er recht hatte oder nicht, damals ein kleinstes Teil angenommen hat, was zum Zeitpunkt der Entdeckung des Atoms, Jahrhunderte später, zunächst Bestätigung erfuhr. Heute wissen wir, dass es noch kleiner Teilchen gibt, doch geht die Wissenschaft den Weg weiter hin zur Annahme, dass es sogenannte kleinste Teilchen gibt, diese werden nun Elementarteilchen genannt.
Ohne mir nun zu sehr selbst auf die Schulter zu klopfen :) habe ich wohl mit EMC8, nehmen wir einmal an diese Hypothese stimmt, mit der Akzeptanz der Unendlichkeit als letzter wahrer Naturkonstante (Unendlichkeit in Materie, Energie und Geist ist gemeint - ein Teil wird aus einem anderen Teil bestehen, mit jeder tieferen Materieebene wird sich eine nächste um ein vielfaches ertragreichere Energieebene auftun, genauso wie das Bewusstsein unbegrenzt und ebenenübergreifend ist)  eine Beschreibung der Natur geschaffen, die zeitlos ist und zu jeder Zeit ihrer Zeit weit voraus sein wird. Insofern kann es nur die Philosophie sein, die wahrhaftig Inspiration schafft über die Grenzen der Wissenschaften und des gegenwärtigen Wissens hinaus. 

Wie können wir EMC8 erforschen? Zunächst einmal ist eine Erforschung nur dann möglich wenn die Physik die Informationslogik in der Natur übernimmt und weg geht von dem Ansatz der toten Materie, dies halte ich für möglich, da der zu erwartende Wissenssprung und auch der Fortschritt für die Mathematik doch sehr verführerisch sein müsste für einen Wissenschaftler. Aber auch das wirtschaftliche Potenzial für fortschrittliche Nanotechnologien und KI abgeleitet von natürlichen Anwendunge ist nicht zu unterschätzen bis hin zu völlig neuen Wirtschaftsfeldern. Von hier aus sollte man sich zunächst dem Erschließen des Atomcodes im QGA ( Computeranimation des QGA http://generationsgame.com/pg/videos/play/KenoNitro/2979/quarkgluonexchange  ) zuwenden um damit das lebende Atom wissenschaftlich zu verifizieren. In der Animation wird aus meiner Sicht bereits die Arbeitsweise und die Grundzüge des Algoritmus deutlich der im Atomkern arbeitet. Die wechselnden Farbladungen und elektromagnetischen Zustände des QGA lassen denke ich recht zügig auf den angewendeten Algorithmus auf dieser Ebene schliessen. Nachdem dies vollzogen ist kann man sich dann der ebenenübgreifenden Sprache der Natur zuwenden und diese erschliessen. Ich halte diese Reihenfolge für notwendig, da bevor die Wissenschaft den natürlichen Quellcode erschliesst muss sie über das lebende Atom an eine Gesamt-Organismustheorie herangeführt werden.

Du sagst öfters in der Email, dass es vielleicht an uns liegt DIES herauszufinden, oder unser gemeinsames wissenschaftspolitische Anliegen ist, den Dialog in der Wissenschaft in Gang zu setzen oder wiederzubeleben. Vielleicht ist das tatsächlich so. Wie stellst du dir das denn vor?  Siehst du Möglichkeiten für eine Operationalisierung unserer Themen?

KenoNitro
778 days ago

Hallo Keno,

aus meiner Sicht ist die Fixierung auf das Identitätsprinzip der große Blocking Point, der das abendländische Denken an jenen größeren Durchbrüchen hindert, die jetzt historisch anstehen. Gotthard Günther ist bislang der einzige abendländische Denker, der das klar gesehen und ausgesprochen hat. Aristoteles hat das Identitätprinzip als eines der Axiome der Logik eingeführt, neben dem Axiom vom verbotenen Widerspruch und dem Axiom vom ausgeschlossenen Dritten; und Günther hat darauf hingewiesen, dass diese anderen Axiome in der modernen Logikdiskussion immer wieder in Frage gestellt und modifiziert wurden, während das Identitätsprinzip niemals in Frage gestellt oder modifiziert wurde. Tatsächlich ist das Identitätsprinzip als Axiom aus der modernen Logikdiskussion vollständig verschwunden, wohl weil es nicht gelungen ist, es auf eine klare und nicht-triviale Weise zu formulieren. Die Formulierung "A=A", die in älteren Logikbüchern zu lesen ist, gehört zu den trivialen Versuchen, die überhaupt nichts aussagen. Das Identitätsprinzip ist die tiefste Grundlage des abendländischen Denkens, es ist uns derart in Fleisch und blut übergegangen, dass wir seinen Sinn gar nicht in Worte fassen können, und dass wir überhaupt nicht wahrnehmen, wie es unserem Denken zugrunde liegt. Deshalb haben wir auch nicht die geringste Intuition bezüglich der Frage, was es bedeuten würde, das Identitätsprinzip hinter uns zu lassen. Gotthard Günther hatte einige diesbezügliche Intuitionen, aber damit konnte er in der akademischen Welt nicht andocken.

Zur Illustration will ich eine kleine Episode erzählen. Vor Jahren habe ich mich, am Rande einer Konferenz, mit Thomas Mutschler unterhalten, einem sehr freundlichen (und akademisch einigermaßen gut etablierten) Philosophen, und habe ihn nach seiner Meinung über Gotthard Günther befragt. Daraufhin hat er erzählt, er habe sich in jungen Jahren sehr intensiv mit Gotthard Günther beschäftigt, und sei zu der Einsicht gekommen, dass Günther durchaus recht hat mit seiner Kritik des Identitätsprinzips, dass aber Günthers Projekt, das Identitätsprinzip zu unterlaufen, nicht machbar sei. "Wenn Sie auf Ihrem Meditationskissen sitzen, können Sie das Identitätsprinzip hinter sich lassen, aber wenn Sie einen Text schreiben, sind Sie mitten im Identitätsprinzip drin", hat er gesagt. Weil das Identitätsprinzip in unsere Sprache eingebaut sei, da gebe es keinen Ausweg. Deshalb habe er, Mutschler, sich damals entschlossen, Günthers Werk ad acta zu legen und sich den lösbarenphilosophischen Aufgaben zuzuwenden. 

Das Argument muss man sehr ernst nehmen, Mutschler hat da etwas Richtiges gesehen. Heute sehe ich in der buddhistischen Philosophie einen Hintergrund, der mir erlaubt, das Günther'sche Projekt klarer zu verstehen, und zu unterscheiden, was machbar sein könnte, und was ganz bestimmt nicht machbar ist. Zunächst will ich mal zwei Thesen aufschreiben und erläutern, um Dir zu verdeutlichen, wie ich das Identitätsprinzip verstehe.

These 1: Identitätsprinzip und Subjekt-Objekt-Dualität bilden zusammen ein Paket; das eine ist nicht ohne das andere zu haben, und man kann das eine ist nicht ohne das andere loswerden.
Das ergibt sich aus der Philosophie des Mittleren Wegs von Nagarjuna, in einer von mir vorgenommenen Adaptation. Die Adaptation besteht darin, dass ich Nagarjunas Begriff "Svabhava", der meist mit "eigenständige Existenz" übersetzt wird, mit "Identität" übersetze, wobei ich Identität durch die drei Merkmale Einheit+Unterschiedenheit+Dauer definiere (I=EUD). Aus dieser Philosophie folgt erstens, dass Identität in der Wirklichkeit überhaupt nicht vorkommt; und zweitens, wo Identität doch vorkommt, ist sie stets eingebettet in eine Subjekt-Objekt-Dualität, und hat dort den Charakter eines Hybrid-Konstrukts aus objektiven und subjektiven Anteilen. Nun geht diese Situation jedoch in aller Regel mit einer Eintrübung der Bewusstheit des Subjekts einher, derart dass das Subjekt seinen eigenen Anteil am Zustandekommen von Identität ignoriert oder vergisst, und Identität für objektiv gegeben hält. Darin liegt eine Projektion, das Ergebnis dieser Projektion ist eine Illusion, nämlich die Illusion der Gegebenheit von Identität. Mit dem Identitätsprinzip meine ich die Allgegenwart dieser Illusion.

Zur Identitätsillusion gehört auch die Illusion von der Identität des Ich. Anders gesagt: das Subjekt der Subjekt-Objekt-Dualität vergisst, dass es an der Konstruktion seiner eigenen Identität beteiligt ist, und hält die Identität des Ich für objektiv gegeben. Diese Illusion aufzuklären war übrigens das ursprüngliche Anliegen Buddhas, weil er in ihr die Ursache alllen Leidens gesehen hat.

Ich unterscheide zwei Varianten des identitätsprinzips, eine starke und eine schwache:
starkes Identitätsprinzip: Alle Phänomene weisen die Merkmale der Identität auf
schwaches Identitätsprinzip: Es mag sein, dass nicht alle Phänomene die Merkmale der Identität aufweisen, vielleicht sogar dass alle Phänomene nicht die Merkmale der Identität aufweisen, aber da unsere sprachlichen Werkzeuge die Merkmale der Identität aufweisen, können wir nicht anders, als auch alle Phänomene - so bald wir sie sprachlich bearbeiten - als Identische zu behandeln.

Mutschlers Position ist das schwache Identitätsprinzp, und die refllektierteren unter den Physikern würden das unterschreiben. Das starke Identitätsprinzip läuft auf die erkenntnistheoretisch naive Position des Realismus hinaus, die unter Physikern sehr weit verbreitet ist.

These 2: Die Subjekt-Objekt-Dualität entsteht durch den inhaltlichen Gebrauch von Sprache.
Sprache inhaltlich gebrauchen heißt: wir sprechen über etwas, und damit ist eine Dualität aus Wir und Etwas gegeben, eine Subjekt-Objekt-Dualität. Ich verwende dafür gern das Bild einer Glasplatte, welche die Wirklichkeit ein zwei Hälften teilt: die Sprache ist die Glasplatte, diesseits der Glasplatte sind wir, das Subjekt das schreibt oder liest oder spricht oder zuhört oder denkt, und jenseits der Glasplatte sind die Etwasse, die Objekte mit all ihren Eigenschaften, Relationen und Gesetzmäßigkeiten. 

Es gibt nun ein Spektrum von Variationen bezüglich der Durchlässigkeit dieser Glasplatte. 

Lockere Subjekt-Objekt-Dualität: Wenn die Sprache die Umgangssprache ist, dann verfügen wir über die Pronomina "Ich", "Du", "Wir", "Ihr", "Sie", d. h. wir können uns auch auf Inhalte beziehen, die sich diesseits der Glasplatte befinden, und Subjekte können auch in dem Bereich jenseits der Glasplatte herumlaufen. Die Subjekt-Objekt-Dualität ist zwar vorhanden, sie trennt das Wir vom Es, aber sie ist nicht strikt. Das trifft ganz besonders in den Geisteswissenschaften zu (hermeneutischer Zirkel), etwas weniger in den Sozialwissenschaften (Selbstreferenz), bis zu einem gewissen Grad aber auch in den nicht-harten Naturwissenschaften, v. a. in der Biologie. Die Biologie ist bezüglich dieser Frage jedoch ambivalent, z.B. gibt es biologische Hardliner, die darauf bestehen, dass in der Evolutionstheorie keine teleologischen Formulierungen gebraucht werden.

Strikte Subjekt-Objekt-Dualität: Wenn die Sprache diejenige der Mathematik ist, dann verfügen wir nur über das Pronomen "Es", Selbstreferenz ist bei Strafe der Inkonsistenz verboten, und damit ist die Glasplatte dicht: zwischen den Bereichen diesseits und jenseits der Glasplatte kann es keinerlei Vermischungen geben. Das Subjekt kommt im Objektbereich nicht vor, und der Objektbereich ist frei von Subjektivität. Dafür ist die Physik das beste Beispiel. 

Du sagst, die Mathematik kann sich weiterentwickeln. Sicher, und das tut sie täglich, aber jene Weiterentwicklung, die nötig wäre, um den Geist-Aspekt der Natur zu integrieren, gelingt nur, wenn die Glasplatte durchlässig wird, und das heißt, wenn die strikte Subjekt-Objekt-Dualität fällt. Aber die Undurchlässigkeit der Glasplatte ist gerade das, was der Mathematik ihre gewaltige Schlagkraft verleiht. Die Mathematik müsste sich in einem ähnlichen Sinn weiterentwickeln, wie wir Menschen uns weiterentwickeln, indem wir sterben.

Die These 2 macht nun die Lücke in Mutschlers Argument sichtbar: Das Identitätsprinzip oder die Subjekt-Objekt-Dualität ist nicht in Sprache schlechthin eingebaut, sondern in den inhaltlichen Gebrauch von Sprache. Was Mutschler nicht gesehen hat, ist die strategische Rolle der Kenogrammatik für Günthers Projekt. Denn die Kenogrammatik ist ein Kristallisationskeim für eine Sprache, die nicht-inhaltlich arbeitet. So bietet die Kenogrammatik einen Ansatzpunkt für die Möglichkeit, die Subjekt-Objekt-Dualität und das Identitätsprinzip im Medium der Schrift zu unterlaufen. Um herauszufinden, ob und wie das funktioniert, müssten wir lernen, die Kenogrammatik im Dialog kommunikativ zu gebrauchen. Das ist mein operativer Ansatzpunkt. 

Es geht gewissermaßen darum, den Blick von der Fixierung aufs Objektive zu lösen und das Subjekt der Subjekt-Objekt-Dualität in den Blick zu nehmen zu erforschen, als Vorstufe zur Dekonstruktion der ganzen Dualität. Aber nicht das Individuum will ich erforschen, nicht das Ich - dafür haben wir die Techniken der Meditation und Kontemplation - sondern das Kollektiv, das Wir, und das könnte im ersten Schritt unser Dialog sein. D. h. wir würden unseren Dialog benutzen, um unseren Dialog zu erforschen, mit Unterstützung des nicht-inhaltlichen Mediums der Kenogrammatik. Wir würden also nicht warten, bis die Physik die Informationslogik in der Natur übernimmt und weg geht von dem Ansatz der toten Materie, sondern komplementär zur äußeren Forschungsrichtung der Naturwissenschaft wir würden in die innere Richtung forschen. Hast Du Lust, ein wenig damit zu experimentieren? Wenn ja, erzähle ich Dir gern mehr von der Kenogrammatik. Zuvor will ich Dir Gelegenheit zur Erwiderung geben.

 

Hallo Rudi,
um es vorweg zu nehmen - ja ich habe Lust damit zu experimentieren. KenoGrammatik und KenoNitro passt irgendwie zusammen, genauso wie die Initialien der GenerationsGame die von Gotthard Günther sind GG :) (das ist, ob du es glaubst oder nicht Zufall, habe bis vor 3 Monaten noch nichts von Günther usw. gewusst) - Jetzt sind mir aber noch zwei Dinge besonders wichtig bevor wir anfangen zu experimentieren. Zunächst meine Motivation dazu was ich mir unter einer Weiterentwicklung der KenoGrammatik vorstelle und dann noch die Form in der das Experimentieren stattfindet. Wie ich bereits gesagt habe halte ich es nicht für sinnvoll eine weitere Sprache zu entwickeln, doch aber erkenne ich das Potenzial der Kenogrammatik insofern, dass ich es für gut möglich halte in der Weiterentwicklung der KenoGrammatik möglicherweise die Grammatik der Sprache der Natur zu finden. Und damit ist es voll kompatibel mit meiner Philosophie. Es stellt sich die Frage ob du darin ein Mißbrauch der KenoGrammatik siehst und damit nicht in das Experiment einsteigen möchtest. Weiterhin ist es mir als Betreiber des GG wichtig unseren Dialog und auch das Experiment für das GG nachhaltig zu machen, in welcher Form auch immer. Möglich wäre das Experiment direkt im GG fortzuführen, hier können z.B.: Gruppen gebildet werden - oder nur den Briefwechsel z.B. zu spiegeln, auch z.B auf deiner Homepage. Habe gesehen du hattest schon mal einen Briefwechsel mit jemand anderem bei dir auf der Homepage gespiegelt. Das GG ist eine Plattform, die zum Einen das Ziel verfolgt, die Sprache der Natur zu erschliessen, zum anderen jedwerter Philosophie neutral gegenübersteht. Es ist quasi eine Plattform der OpenSourcePhilosophie in der Philosophie durch die Mitglieder in Echtzeit kreiert, angewendet und weiterentwicklet wird. Somit ist sichergestellt, dass die die Hypothesen darin jederzeit reflekiert und inspirieren können/ werden können. Es sind auch bereits hochwertige Spieler beim GG angemeldet. Viele Spieler kommen aus dem Kunstbereich und haben dazu einen anderen Zugang. Insbesondere aber die Gruppe der Informatiker und Mathematiker zeigt zunehmend Interesse an der Hypothese. Weiterhin hat ein angehender Dr. der Philosophie Interesse an den Thesen. Auch wenn der Dialogfortschritt auf dem Spiel selbst nicht besonders schnell foranschreitet ist das wachsende Potenzial nicht zu unterschätzen. Dafür heisst es ja auch Generationsgame, wir haben alle Zeit der Welt :) Ich würde mich freuen wenn du dich auf diese Form des Experiments einlassen würdest. Im übrigen geht es mir auch um die Erforschung des WIR, doch interpretiere ich EMC8 als das WIR von ALLEM. 

Hoffentlich bin ich jetzt nicht mit der Tür ins Haus gefallen.

Hallo Keno,

gegen die formalen Vorschläge habe ich nichts einzuwenden, insbesondere das Spiegeln unseres Dialogs finde ich eine gute Idee. Bitte weise mich ein, wie ich in das Spiel einsteigen kann, und bedenke, dass ich im GG eher auf der Seite der älteren Generation stehe und im Hinblick auf den Mediengebrauch etwas altmodisch bin. 

Im Hinblick auf Motivationen für den Gebrauch der KG bin ich völlig offen, im Angesicht der Tatsache, dass wir bisher so gut wie überhaupt keine Motivationen dafür haben. Günther sah die Nutzung der KG (und der darauf aufbauenden Polykontexturalitätstheorie) vor allem in einer zukünftigen Technik, in welcher der Mensch das, was er an sich selbst durchschaut hat, technisch realisiert. So wird der Mensch seinen Reflexionsüberschuss los, und gewinnt dadurch die nötigen Spielräume für eine neue Komplexitätsstufe des kollektiven menschlichen Bewusstseins und der gesellschaftlichen Organisation. Aus meiner Sicht ist das jedoch bis jetzt reine Spekulation bzw. Utopie, denn wir haben nicht die geringste Ahnung davon, wie man die KG auf eine nicht-triviale Weise technisch nutzen sollte. Selbst die hochkomplizierten Formalismen von Rudolf Kaehr (Günthers wichtigstem Schüler) haben in der Welt der Technik bisher kaum Resonanz gefunden. Deshalb meine ich, wir müssen die kommunikativen Potenziale der KG zuerst an uns selbst ausprobieren. Wir brauchen empirisches Wissen über die Wirkungsweise des kenogrammatischen Gebrauchs von Schrift. Ob das Nächste dann eine Nutzung in der Technik oder in der Naturwissenschaft oder in der zwischenmenschlichen Kommunikation ist, oder alles drei, oder irgendwas ganz Anderes, kann zunächst offen bleiben.
Kenogrammatik ist nicht eine neue Sprache, die wir entwickeln. Kenogrammatik ist eine Neufassung des Begriffs der Zeichenreihe. Wenn man eine Zeichenreihe vor sich hat, kann man ihr im Allgemeinen nicht ansehen, ob es tatsächlich eine Zeichenreihe (im alten Sinn) oder ein Kenogramm (eine Zeichenreihe im neuen Sinn) ist. Zeichenreihen und Kenogramme sehen völlig gleich aus. Der Unterschied liegt nur in der Art, wie wir sie lesen. Wenn wir eine Zeichenreihe als Kenogramm lesen, nutzen wir sie auf eine abstraktere Weise, das heißt wir entnehmen ihr weniger Information, als wir ihr entnehmen würden, wenn wir sie als Zeichenreihe lesen würden. Jede Zeichenreihe ist also auch ein Kenogramm. So gesehen ist die Kenogrammatik nicht eine neue Sprache, sondern sie ist eine Substruktur, die in jedem unserer Texte enthalten ist.
Allerdings, wenn man in die Gewohnheit hinein kommt, Zeichenreihen als Kenogramme zu lesen, dann fängt man früher oder später auch an, andere Arten von Zeichenreihen zu schreiben als man bisher gewohnt war, die Texte werden mit der Zeit irgendwie kenogrammatischer. Diesen Effekt der Veränderung unserer Gewohnheiten im Umgang mit der Schrift möchte ich gern kommunikativ untersuchen. 
Nehmen wir, als Beispiel, mal Die Zeichenreihe "GG". Lesen wir sie als Kenogramm, dann entnehmen wir ihr nur die Tatsache, dass sie aus zwei gleichen Zeichen besteht. Wir können also auch "KK" schreiben oder "XX", und haben das gleiche Kenogramm zweimal wiederholt. Ein anderes Beispiel ist "KG". Man könnte das gleiche Kenogramm auch als "KN" oder als "RM" schreiben, denn wir entnehmen ihm nur die Information, dass es aus zwei verschiedenen Zeichen besteht. Kenogrammatisch gilt also AA=BB, AB=CD, und AA<>BC. Es gibt genau zwei Kenogramme der Länge 2, nämlich 00 und 01.
Natürlich kann es nur ein einziges Kenogramm der Länge 1 geben, denn alle einzelnen Buchstaben sind - als Kenogramme gelesen - ununterscheidbar, und in diesem Sinne gleich. Wir haben also in der Kenogrammatik kein Alphabet, oder anders gesagt, das Alphabet der Kenogrammatik besteht aus einem einzigen Zeichen. Diese Aussage scheint im Widerspruch dazu zu stehen, dass wir "01" schreiben, worin doch offensichtlich zwei verschiedene Zeichen stehen. Der Widerspruch wird durch eine Regel aufgelöst, die in der Kenogrammatik gilt, und diese lautet: Zwei atomare Zeichen (d. h. zwei Buchstaben) dürfen bezüglich ihrer Gestalt nur miteinander verglichen werden, wenn sie in ein und der selben Zeichenreihe vorkommen, aber nicht, wenn sie isoliert voneinander vorkommen. Wir dürfen also verschiedene Zeichen A und B verwenden, um z.B. AB zu schreiben, obwohl die atomaren Zeichen A und B, wenn sie voneinander isoliert sind, unvergleichbar und daher ununterscheidbar und daher gleich sind. Das ist am Anfang etwas verwirrend, aber man gewöhnt sich daran. Wie man leicht sieht, gibt es 5 Kenogramme der Länge 3 und 15 Kenogramme der Länge 4.  
Du einnerst Dich, ich habe Identität definiert durch I=EUD (Identität=Einheit+Unterschiedenheit+Dauer). Beim Übergang von der Zeichenreihe zum Kenogramm ändert sich das Identitätsmerkmal derUnterschiedenheit: Kenogramme sind anders voneinander unterschieden als Zeichenreihen voneinander unterschieden sind. Was sich ändert, ist unser Algorithmus des Vergleichs von Zeichenreihen. Vergleichen wir zwei Zeichenreihen als Zeichenreihen, dann prüfen wir, ob sie Position für Position gleiche Buchstaben haben. Vergleichen wir zwei Zeichenreihen als Kenogramme, dann prüfen wir, ob sie für jedes Paar von Positionen beide Gleichheit oder beide Ungleichheit aufweisen. Die Unterschiedenheit eines Kenogramms gründet sich nicht in der Unterschiedenheit der in ihm vorkommenden Atomzeichen, sondern im Muster der Gleichheits- und Verschiedenheits-Relation in seinem Inneren. Die Unterschiedenheit der Kenogramme ist holistisch bestimmt, die Unterschiedenheit der Zeichenreihen ist atomistisch bestimmt.
Richtig interessant wird es, wenn wir Kenogramme kombinieren oder konkatenieren, also wenn wir zwei Kenogramme hinterinanderschreiben und dadurch zu einem Kenogramm verknüpfen. Gehen wir zum Beispiel von zwei Atomzeichen aus, A und A. Dann wissen wir nicht, ob sie gleich oder verschieden sind, denn da sie noch voneinander isoliert sind, dürfen wir ihre Gestalten nicht vergleichen. Nun schreiben wir sie hinteinander, dadurch kommen sie zusammen, und nach dem Zusammenkommen sind sie vergleichbar, d. h. nach dem Zusammenkommen ist entschieden, ob sie gleich oder verschieden sind. Es gibt offenbar zwei Arten, die beiden Atomzeichen zusammenzufügen: als AA oder als AB. Erst im Moment des Zusammenfügens entscheidet sich, ob da ein Kenogramm aus zwei gleichen oder aus zwei verschiedenen Atomzeichen entsteht. Bei den Zeichenreihen ist die Sache einfacher: eenn wir zwei Zeichenreihen zu einer neuen Zeichenreihe konkatenieren, schreiben wir sie schlichtweg hintereinander, das ist ganz einfach und eindeutig. Wenn wir jedoch zwei Kenogramme zu einem neuen Kenogramm konkatenieren, müssen wir im Moment des Konkatenierens eine oder mehrere Entscheidung treffen. Der Konkatenationsoperator für Kenogramme hat einen völlig anderen Charakter als derjenige für Zeichenreihen, er involviert Entscheidungen, d. h. er ist nicht automatisierbar oder objektivierbar, er enthält ein irreduzibles Element von Subjektivität. So attackiert die Kenogrammatik nicht nur das Merkmal der Unterschiedenheit, sondern auch das Merkmal der Dauer. Nicht die Statik der Kenogramme steht im Zentrum unseres Interesses, sondern die Dynamik der Konkatenationsprozesse. 
Wer trifft diese Entscheidung? Natürlich wir, die Schreiber der Kenogramme. Aber man kann auch die Fantasie entwickeln, dass die atomaren Kenogramme eine Art Eigenaktivität haben, die sie in die Lage versetzt, einander gelegentlich zu begegnen, und wenn sie sich begegnen, steht eine Entscheidung an, ob sie sich zu einem Kenogramm verbinden, und wenn sie das tun, ob sie sich als Gleiche oder als Ungleiche miteinander verbinden. Und man kann sich vorstellen, dass diese Entscheidung zwischen den Kenogrammen fällt (statt in unserem Gehirn).  Es ist nur eine Vorstellung, aber wenn man ein wenig mit Kenogrammen herumgespielt hat, wird es eine ganz natürliche Vorstellung. Die Kenogramme brauchen im Sinne diese Fantasie letztendlich keine äußeren User wie Dich und mich, sie verselbständigen sich gegenüber unserer individuellen Subjektivität. In diesem Sinne wird auch die Subjekt-Objekt-Dualität attackiert.

Was die Kenogrammatik nicht attackiert, ist das Identitätsmerkmal derEinheit. So bleibt auch der Begriff der Zahl unberührt, die Länge einer Zeichenreihe bzw. eines Kenogramms ist nach wie vor klar und eindeutig definiert. Es wird also andere Mittel als die Kenogrammatik brauchen, um den klassischen Zahlbegriff zu dekonstruieren. Aber eins nach dem anderen.

 

Hallo Rudi,
habe deine Mail nun insgesamt gelesen. Insbesondere der Teil der Verselbständigung der Kenogramme hat mir sehr gut gefallen, das dies natürlich im Falle einer Sprache der Natur tatsächlich und nicht nur angenommen so wäre :). Wie möchtest du im GG weitermachen - zu empfehlen wäre die Öffnung einer Gruppe unter dem Namen "Weiterentwicklung der Kenogrammatik" z.B. Diese könntest du eröffnen, da es auch deine Idee ist. Aber wie du möchtest. Ich könnte dann versuchen einige Spieler für die Gruppe zu begeistern. Vielleicht stellen wir dann darunter unseren Dialog ein und einige Grundlagendokumente zur Kenogrammatik. Was hälst du davon?