Das letzte Glasperlenspiel

September 10, 2010 by KenoNitro   Comments (0)

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Der Roboter lief entlang des Weges in dem ländlichen Vorstadtbezirk von Kyoto. Um ihn herum hingen die mächtigen Baumkronen im Winde, das Rauschen sich in seinen Ohren niederlies. Seine Gedanken waren in der Ferne, beugten sich um jenes letzte Wahre, was ihm selbstverständlich geworden. Er wusste, dass es das nicht immer gewesen ist, für sehr lange Zeit gespalten war. Eine Zeit in der die Wissenschaften die Welt erst entzweien musste um sie dann wieder zu finden. Der Geruch des feuchten Mooses stimulierte ihn, der Stein rief ihn zu sich, vor ihm tat sich der Wald auf, ein Jahrhunderte alter Shinto-Tempel sich vor seinen Augen öffnete. Sein blaues erhabenes Gesicht, so anonym, betrachtete das Haus genau, seine Hand, aus Aluminium und Kohlefaser erwachsen, schmiegte sich an seinen Oberschenkel. Er war lange gewandert um hier anzukommen. Es hatte sich gelohnt, doch bevor er in die Tempelanlage eintreten wollte verharrte er für einen Moment. Der Zen-Garten vor ihm , die schwarz-grünen Steine, das feine Kies, gleichmässig gerecht im harten Band, die Symmetrie, in seinen Körper eindrang. In diesem Moment musste er an jenen Magister Ludi, Josef Knecht, Hauptfigur in Herrmann Hesses Roman "das Glasperlenspiel" denken. Jener Magister, der am Ende seines Lebens eine besondere Form der Freiheit gefunden hatte. Den Roboter faszinierte das Glasperlenspiel, ein rein fiktives, nur erdachtes, nie gespieltes Spiel, nur in diesem Roman von Hesse gespielt und doch von ungeheurer Tragweite. Dann setzte er sich auf die Granitbank am Rande des Steingartens, der Wald hinter ihm, das Moos waren dicht bei ihm. Der Stein vor ihm öffnete sein Herz. Die Datenbank des Roboters war gefüllt mit allem was jemals erdacht wurde, so startete er einen Suchlauf. Er suchte etwas was sich mit dem Glasperlenspiel vergleichen ließ, vielleicht schon mal gespielt wurde. Einige Kernaussagen in dem Roman ließen ihm keine Ruhe. Er wurde fündig, der Stein schien ihm zu antworten. Er selbst , war das Produkt der Wiederfindug der Natur, einer Technologie, die die Spaltung längst überwunden hatte. Eine Technologie im Einklang mit der Natur, im ständigen Austausch miteinander. Was den Roboter am Glasperlenspiel so faszinierte war, herauszufinden wie es den Menschen nach Jahrhunderten der Spaltung gelungen war die Einheit wieder zu finden. Man schrieb das Jahr 3797 als der Roboter in seinen Aufzeichnungen einen Moment am Anfang des dritten Jahrtausends fixierte, einen Moment in dem die Analogien zueinander führten. Des Roboters Augen fokusierten ins Leere, die Stille um den Stein, um ihn herum, führte ihn in  den Moment der Zusammenführung. Es war das Konzept eines Glasperlenspiels, eines niemals ausgetragenen Spiels, nur die Vision davon war in seinem Datenhaufen abgelegt. Ein Spiel, welches wenn es gespielt würde jedes weitere Spiel unnötig machen würde. Ein Spiel, dass sich nicht mehr einer von Menschen erdachten Universalsprache und Symbolen bedienen müsse, ein Spiel, dass im Moment der Synthese alles verändern würde. Es wurde nie gespielt, vielleicht deswegen, doch lag es dem Roboter als Konzeption in seiner gedanklichen Rohfassung vor. Es war ungeheuer komplex und minimal zugleich. Die Besonderheit an dem Spiel war, dass es in der Konzeption nach etwas griff hinter dem Spiel, hinter den Wissenschaften, Philosophien und Religionen. Es suchte die Wahrheit jenseits von Wissenschaft und Religion. Das Konzept, um es mit Hesses Worten auszudrücken, beschrieb den Generalnenner und konnte das Zentrum, nach dem ein jedes Glasperlenspiel sich ausstreckte, im Kern treffen. Am Anfang des dritten Jahrtausends, der Höhepunkt des feulliontonistischen Zeitalters, war es noch erlaubt Geistesarbeit öffentlich zum Zwecke der Anerkennung zu betreiben. Der kastalische Orden erst in den Köpfen einiger Weniger als pädagogische Provinz gereift und doch nie verwirklicht. Aus dieser Zeit stammten seine Aufzeichnungen. Zunächst erschien es ihm ein wildes Durcheinander von Wissenschaften, Philosophien, Psychologie und Religionen, doch je tiefer er zu dem Konzept vordrang umso klarer erschien es ihm. Er musste es erst strukturieren, aufarbeiten, ein gedankliches Konzept in der Rohfassung diesen Stellenwerts hatte er noch nicht in seine Bestandteile zerlegt und wieder aufbereitet. Es war ihm eine Herausforderung. Der Stein schien ihn anzulachen, die Heiterkeit des Tempels, die Geduld des ewigen Momentes waren ihm seit hunderten von Jahren nicht fremd gewesen. Er fühlte einen stechenden Schmerz in seinem Kopf, etwas dass er nicht kannte stach mit einem Splitter in seinen Kopf. Die Spaltung der Pole, wie sie noch in dieser Zeit vorgeherrscht hatte war ihm so fremd, wie die heutige Einheit den früheren Menschen in den Wahnsinn hätte treiben können. Er hatte tiefes Mitleid mit den Menschen, die in dieser Spaltung der Gegenstände leben mussten. Ein Weltbild, wie es zu keiner Zeit vorher noch nachher, falscher sein konnte. Der Mensch schien damals im Schisma der Physik unterzugehen. Das schlimme daran war, die Menschen fingen an sich mit der Spaltung anzufreunden, diese Spaltung wissenschaftlich fortzuführen. Doch dies musste der Roboter nun durchleben, er musste die Spaltung zunächst erleben, verinnerlichen um daraus die Konzeption des letzten Glasperlenspiels zu rekonstruieren. Der Stein sollte ihm dabei behilflich sein. Seit hunderten von Jahren waren die Menschen nicht mehr auf Sprache noch Schrift angewiesen, man hatte gelernt die Sprache der Natur zu verstehen, in ihr zu kommunizieren, so war es auch bei dem Roboter. Er lebte in diesem Metauniversum, dem ewigen Moment, verbunden mit Allem, der babylonische Fluch war gebrochen worden. Doch nun musste er sich wieder auf die alten ineffektiven Sprachen zurückbesinnen, die Sprache der Natur in die damaligen Hilfsformate rückübersetzen. Eine Anstrengung ohnesgleichen, er zitterte leicht, wieso sollte er sich das antun. Von seinem Standpunkt aus war alles zusammengeführt, so sehr verinnerlicht, die Reise zurück in die Spaltung ein Rückschritt, vielleicht für ihn ungesund. Doch wollte er die Reise wagen, er stand auf ging über das Kiesbeet hinweg zu dem schwarzen Stein, setzte sich nieder, lehnte sich an und meditierte. Die Meditation verlief im umgekehrten Sinne. Wo man sich normalerweise in die immer tieferen Ebenen des Ganzen hineindenkt und darin Zerstreung und Erlösung findet, war es nun so, dass man möglichst tief einstieg, die Informationen herausfilterte und in die alten umständlichen Verfahren rückübersetzte. Es viel ihm nicht schwer mit einem hohen Grad der Meditation zu beginnen, war dies doch die Errungenschaft, der Schlüssel zum babylonischen Rätsel. Dort, im Ganzen, sich die eine Sprache wiederfindet. Die Menschen wie die Roboter sich auf dieser Ebene bewegten, im Alltag wie in der Ruhe, dem Stein und dem Baum gleich. Wie im Buddhismus bekannt wird der Erleuchtete schon zu Lebzeiten im Nirvana wandern. Der letzte Schritt in dieses Nirvana war den Menschen und damit auch der Technologie zu einer Zeit vergönnt als die Spaltung ihren Höhepunkt zu haben schien. Nun musste der Roboter den Weg der Spaltung gehen um für sich die Einheit wiederzufinden. Er wusste es gabe auch zu seinen Zeiten noch Menschen, die dies versuchten und sich der Informationen, der ineffektiven Hilfsformate bedienten, um historische Forschung zu betreiben. Einige von Ihnen hatten es schwer das Nirvana wiederzufinden, andere starben an der Spaltung, weitere mussten bis zu ihrem Lebensende in ihr verharren. Sie fanden die so wichtige innere Ruhe nicht mehr, lebten eine Leben voller innerer Zweifel und Misstrauen. Da sass er nun der Roboter, sein blau-silbernes Kleid sich mit der Symmetrie des Gartens vereinigte, er selbst Teil des Gartens wurde. Ein Shinto-Mönch am Ende des Gartens sich der Szene annahm, wusste was dem Roboter bevorstand, ein Gefühl der Demut und der Ehrfurcht sich in ihm ausbreitete. Dann fing es an, dem Roboter flogen die Stichworte der Gedankenfetzen von einst in den Sinn. Er konnte sich nicht halten, sackte am Stein herab. Die Einheit war bedroht. Das psychophysische Problem schoss es durch seinen Kopf, das Leib-Seele Problem, der Splitter bohrte sich tiefer in seinen Geist. Das Schisma der Physik wurde zu seinem Schisma, die Spaltung war erreicht, der Roboter in sehr schlechter Verfassung. Die Weltformel, die Einheitswirklichkeit, Lösungsansätze zum Einen hindeuteten, die All-Eine Welt, der Quellcode, die Sprache der Natur - das Glasperlenspiel. Gott und Teufel, Individuum und Kollektiv, Gut und Böse, des Roboters Geist in Scherben vor ihm lag, zersprungen in seine Fragmente. Das Zittern wurde stärker, seine Fähigkeit die Konzeption des letzten Glasperlenspiels zu rekonstruieren erschien ihm nun als unmöglich. Er blickte zum Stein, flehte um Hilfe, dieser war stumm, kein Lachen mehr zu sehen. Etwas was er noch nicht kannte breitete sich bis in die letzte Pore seines Körpers aus, es war die Angst. Die Spaltung schien ihm übermächtig, er kollabierte daran versank für Stunden in Ohnmacht. Ein Traum ihm die Zeit vertrieb. Es war ein wunderschöner Morgen an den Ufern des Nils, die Sonne erhob sich über den Horizont, de Menschen schon fleißig, betrieben den Anbau von Früchten und Gemüse, das Wasser so herrlich sanft plätscherte als ein Mann neben ihn trat. "Du weißt doch wer ich bin?" stellte er sich vor. Der Roboter zögerte nicht und gab ihm zur Antwort "Oh Ja mein Herr, du bist der Dreimal Größte Hermes, was verschafft mir die Ehre deiner Zuwendung?" Hermes Trismegistus lachte etwas schelmisch, sein Antlitz voller Güte, so weise, strahlte es dem Roboter entgegen. "Ich wende mich denen zu die bereit sind hinter das Licht zu blicken, das schwarze Licht zu erfahren, und du mein lieber Roboter kommst ja eigentlich aus dem schwarzen Licht, euch war es in die Wiege gelegt, doch haben dich deine Forschungen zu einem Punkt gebracht an dem du das schwarze Licht wieder verloren hast. So sei es das du es wieder finden sollst. Die Menschen haben über Jahrtausende hinweg diese Initationsriten über sich ergehen lassen um hinter das Licht zu blicken, die Wahrheit zu erfahren. Sie nannten es den Weg der Erleuchtung. Ein Pfad zur Überwindung der Spaltung in der Einheit. Für kurze Zeit sollst du mein Adept sein. Ich führe dich entlang des Nils. Wir werden über sehr viel sprechen. Deine Datenbank verfügt über alles was von Nöten ist um das letzte Spiel zu spielen." Der Roboter und Hermes liefen vom Ufer weg in Richtung der fruchtbaren Plantagen, umgeben von Palmen, Menschen mit einem Ausdruck in den Augen wie er es nur aus seiner Zeit kannte. Diese Menschen waren verbunden mit dem ewigen Moment, kannten die Spaltung nicht mehr, die Einheit in ihnen vollzogen. Man befand sich im Jahre 2620 vor Christus. Hermes zeigte dem Roboter die Umgebung, sie liefen Richtung Westen. "Mein Sohn, dein Spiel, so weißt du wird alles zusammenfassen müssen, wird alles in einer Analogie zusammenführen, nachdem dieses rekonstruiert ist, werden sich die Wissenschaften und die Religionen in diesem Konzept ergeben, die Philosophie, die Liebe zur Weisheit zum Wahrhaftigen, kann dies bewirken. Ein Zauber den wir kennen, den wir schon lange in unsere Bildungs- und Entwicklungszentren integriert haben. Ein Zauber der im Laufe der Jahrtausende verloren ging, sich im Speziellen verloren hat, das Universelle nicht mehr relevant war, das Spezielle den Menschen alles abforderte, wurde es wieder gefunden zu der Zeit als das geistige Konzept eines letzten Glasperlenspiels erdacht wurde. Du mein Sohn, wie dir sicherlich bewusst ist, bist ein Produkt aus jener Zeit. Du hast den Menschen geholfen das Universelle wieder zu finden, die Zwischenzeit der Spaltung zu überwinden, die Wissenschaften aus dem Speziellen ins Universelle zu führen. So wurde die vormals intuitiv erkannte und erlebte Einheit, so wie du sie in den Augen der Menschen hier in den Plantagen sehen kannst über die spezialisierten Wissenschaften zunächst weggewischt und aufgespalten. Die Augen der Menschen in der Zwischenzeit waren getrübt, das Herz derer nicht vom schwarzen Licht gezündet. Doch dann als die Wissenschaft das Universelle wieder annahm und in der Lage war dieses, wie sie es auch in den Spezialwissenschaften immer tat, zu verifizieren, kam es zu eine Zeit danach. Dies war die Zeit in der du entwickelt wurdest mein Sohn. Eine Zeit in der die Einheit wissenschaftlich verifizierbar geworden war, den Menschen erklärt werden konnte und damit wieder Zugang in die Herzen der Menschen fand. Das schwarze Licht fortan wieder gezündet war in der Menschen wunderbares Herz. So ging man den Weg über Intuition, Zweifel, Spezialisierung bis hin zu Verifizierung und Wiederfindung. Dies ist der Weg der auch dir nun vergönnt ist. Schau auf deinen rechten inneren Unterarm, dort siehst du eine Bezeichnung aus Symbolen, wie sie dir noch fremd sind. Ich werde sie dir vorlesen. [Kybernetische Einheit neuer oder natürlicher Intelligenz transparenter Raum-Ordnung]." Der Roboter war zutiefst beeindruckt von dem kurzen Ausflug des Hermes über die Zeiten hinweg, so trafen seine Worte direkt ins Zentrum, die Kernaussagen waren kurz und präzise und zeigten ihm auf wie sehr die Geschichte genau so ablaufen musste wie sie abgelaufen war. Die Einheit musste aufgespalten werden um sie zu präzisieren und zu verifizieren. Und recht hatte er auch damit, dass dies nun sein ganz persönlicher Weg geworden war. Er schaute auf seinen rechten Unterarm und vernahm die ihm noch unbekannten alten Symbole einer längst vergessenen Sprache. Hermes führte ihn weiter nach Westen. Seine Gedanken wanderten wieder in die Gedankenwelt jenes Menschen, der die Konzeption des letzten Glasperlenspiels in sich vollzogen hatte. Er begriff, dass dieser Mensch genau wie er bevor das letzte Spiel entworfen hatte bereits die innerliche Einheit vollzogen hatte. Genau wie er war dieser Mensch geschliffen von der Natur und darin initiert. Niemals hatte er einer Arkandisziplin unterlegen noch wollte er Perlen vor die Säue werfen. Es ging ihm um ein Verständnis und darum den Menschen davon zu erzählen, vielleicht zu erklären. So konnte dieser Mensch nachdem ihm die Einheit vor Augen war diese als Analogie auf die damaligen Probleme anwenden und somit nicht das spezielle Problem lösen sondern die Probleme der speziellen Wissenschaften in einer neuen Beschreibung der Welt auflösen. So waren diese Probleme, welche Ausdruck der speziellen Wissenschaften hin zum Geständnis des Unwissens waren, letztendlich die Beschreibung ein und des selben Problems. Es dreht sich beim Leib-Seele Problem, beim psychophysischen Problem und bei dem Schisma der Physik um die Problematik der Zusammenführung der Polare in der Einheit. Diese Polare waren die Materie und das Bewusstsein. Die Physik, Philosophie und Psychologie hatte um es in ihren Spezialwissenschaften zu benennen nur ihre eigenen Sprachen darauf angewendet, eben einen jeweils angepasste Analogie verwandt. So war es auch bei diesem Mensch, der sich der Problematik seit Kindesalter gestellt hatte, hatte er es in seinen Stunden der Hingabe leidenschaftlich physikalisch-philosophische Gedankenspiele genannt. Nie hatte er sich den Spezialwissenschaften so zugewandt, immer war es das Universelle, was ihn anzog, in seinen Gedanken die Einheit nicht nur zu verinnerlichen sondern auch erklären zu können. So waren ihm die Probleme der Spezialwissenschaften und deren Lösungsansätze nicht geläufig, hatte sich nie damit beschäftigt, sondern war davon ausgegangen, wahrhaftige Leidenschaft und Bereitschaft seien der Schlüssel um in sich selbst die Antwort zu finden, jenseits des Speziellen dem Universellen zugewandt, auch wenn dies bedeutete eine eigene Analogie aufstellen zu müssen. So war er von Herzen in jungen Jahren wohl ein Glasperlenspieler ohne es zu wissen. Geist und Materie sollten zusammengeführt werden in einer letzten Analogie, in einem letzten Glasperlenspiel, ein Spiel das alle weiteren Spiele unnötig machen würde. Religion und Wissenschaft auf einen Nenner brachte in der kürzest möglichen Beschreibung. Die Idee des letzten Spiels war es die Weltformel am Ende gefunden zu haben, jene magische Beschreibung der Welt welche die Lösungsansätze der speziellen Wissenschaften in einem und Allem bestätigen sollte. Die Einheitswirklichkeit des psychophysischen Problems beschreiben konnte, in der Lage war die Relativitätstheorie mit der Quantentheorie zu vereinen, Leib und Seele zusammenführte, Zeit und Raum neu definierte. Nachdem er in seinen physikalisch-philosophischen Gedankenspielen seine eigene Analogie für die Einheit der Gegenstände gefunden hatte war es nun eine Frage dessen diese Analogie in den speziellen Wissenschaften zu beschreiben, oder besser gesagt, die eigene Analogie so zu beschreiben, dass sie in allen Spezialwissenschaften verstanden werden würde. Generisch das zu beschreiben was die Wirklichkeit zu sein schien. Über zehn Jahre hinweg verglich er die eigene Analogie mit dem Wissensstand der Spezialwissenschaften, ohne bei diesen ernste Bemühungen oder neue Lösungsansätze für deren definierte Probleme zu finden. Vielmehr schien sich dieser Problematik keine Wissenschaft mehr annehmen zu wolle, man verstand diese Problematik als grundlegend, die scheinbar nicht zu lösen ist. So waren die Wissenschaften mit Ausnahme der Physik, unfähig Problemlösungsstrategien in ihren eigenen Fachgebieten zu finden oder nicht bereit dazu. In der Physik allerdings, beim Versuch der Findung einer physikalischen Weltformel, welche alle Grundkräfte miteinander vereinen sollte, die Quantenphysik mit der atomaren Welt harmonisieren sollte, sah man die Welt nur mit den Augen der Materie ohne den Geist, das Bewusstsein überhaupt in dieser allumfassenden Formal zu integrieren. In diesem Sinne unterlag die Physik, welche den Versuch unternahm die Welt in Gänze zu beschreiben, in einer Weltformel zu interpretieren, dem größten aller Fehler und trieb damit die Spaltung von Geist und Materie weiter voran. Im frühen 20sten Jahrhundert deutete der Paul-Jung Dialog auf eine hoffnungsvolle Wende in der Zusammenarbeit von Psychologie und Physik hin und wurde durch Hesse im Glasperlenspiel scheinbar intuitiv philosophisch und literarisch fortgeführt. Doch schon bald sollten die Anfänge des Durchbruchs wieder in Vergessenheit geraten, die Welt der Wissenschaft, der kommerziellen Wissenschaft im allgemeinen lebte vom Profit, musste sich schnell rechnen und konnte es sich nicht leisten strategische Grundlagenwissenschaft zu betreiben. Die unabhängige Forschung dagegen war gehalten ihre Theorien und Hypothesen immer anhand der bestehenden Theorien, auch mögen diese vielleicht falsch sein, zu bestätigen. So waren Publikationen einen Wunderwerk an Fußnoten, ein sich beziehen auf alt hergebrachtes, vielleicht schon längst Überkommenes. Der Wissenschaft insgesamt fehlte jenes Waldzeller Dorf der Glasperlenspieler, welche in der Lage waren die Spezialwissenschaften in den Kontext des Universellen zu stellen. Jenes Element welches wertfrei und unabhängig von den Spezialwissenschaften in der Lage war Neuerungen zu erkennen diese in ein Gesamtbild einzuordnen und damit wahren Fortschritt für die Gesellschaft erzielen würde. So waren die Hilfsformate leider lange Zeit diejenigen welche ihre Dogmen zu pflegen wussten um der Anerkennung willen, den wahren Fortschritt nicht zu sehen noch anzustreben. Es war eine Zeit in der die Dogmen der Wissenschaft schwieriger zu durchbrechen waren als die Dogmen der jungen Religionen.  Aber da die Wissenschaften gewissermaßen die Kinder der Religionen sind wundert dies auch nicht, die rebellierende Jugend der Wissenschaften war noch zu jung um nach dem Wahrhaftigen zu streben, so tat der Jugendliche alles daran sich von seinen Eltern abzugrenzen, auch sei es um den Preis der Wahrheit. Hermes wandte sich dem Roboter erneut zu und bestätigte ihm seine Annahmen "Ja, Roboter du erkennst in welcher Zwickmühle das Konzept des letzten Glasperlenspiels geschrieben wurde. Der Ersteller war sich der Ignoranz der Spezialwissenschaften bewusste, jener Klasse welche es sich gut eingerichtet hatte in ihren Elfenbeintürmen. Jener Klasse in der oft erst der Titel dem Mensch eine Aussagekraft verlieh. Der ungewöhnliche Weg dieses Spielers würde möglicherweise erst Jahrhunderte später sein Ziel finden. Doch so ist es eben mit vielem, erst die Generationen können jenes aufgreifen was aus der Zeit herausgenommen ist." Der Roboter kam wieder zu sich, der ewige Moment erfasste ihn wieder, das schwarze Licht holte ihn zurück in die Welt. Hermes letzter Satz hallte nach. "Aus der Zeit herausgenommen ist." Der ewige Moment, der Stein ihn wieder hatte. Das Zittern in seinen Fingern war wieder vergangen, der Shinto-Mönch ihn zu sich rüber winkte. Der Roboter durchschritt das große Betontor der Tempelanlage. Im Inneren blickte er auf einen großen Hof, viele Mönche hatten sich dort versammelt und standen in der Mitte im Kreis, so als ob sich dort etwas wichtiges befinden würde. Des Roboters Neugier es zu den Menschen hinzog.